Auf dem Weg in die digitale Selbstverständlichkeit: Medientage München

Am Freitag gingen die Medientage München zu Ende. 400 Referenten aus dem In- und Ausland haben in mehr als 90 Panels drei Tage lang unter dem Motto der Medientage „Kein Spaziergang – Wege zur digitalen Selbstverständlichkeit“ diskutiert. Etwa 50 Aussteller präsentierten auf der begleitenden Messe Innovationen der Medien- und Kommunikationsbranche. Fazit: Der digitale Wandel transformiert Darstellungsformen und Inhalte, schafft neue Verbreitungskanäle und Partizipationsformen, reformiert Geschäftsmodelle und Berufsbilder. Zur Selbstverständlichkeit ist es aber noch ein langer Weg, aber ein spannender.  

Im Panel „Journalismus in Zeiten des Netzes“ berichtete Carolin Neumann von der Experimentierlust mit neuen Erzählformen vor allem bei jungen Journalisten, die sie in ihrer Funktion als Geschäftsführerin von Vocer Innovation Lab täglich erlebt. Sie erzählte, wie viele Journalisten gerade aus dem Studium kommen und frustriert sind, dass sie ihre Ideen in den Medien (noch) nicht umsetzen können. Deshalb starten sie eigene Projekte. Auch Chefredakteur von Zeit Online Jochen Wegner meinte „Journalismus ist fantastisch heute“ – wenn man ihn mit dem pessimistischen Schreiben der 1970er vergleicht. Betrachtet man die neue Vielfalt der Erzählformen, die digitale Entwicklungen ermöglichen, ging es nach Wegner sogar „dem Journalismus nie besser“ als heute. Allerdings bleibt die Frage, wie sich heute guter Journalismus im Netz nachhaltig finanzieren lassen kann.

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Über „Journalismus in Zeiten des Netzes“ diskutierten Christian Bollert von BEBE Medien, Carolin Neumann vom Vocer Innovation Medialab, Jochen Wegner, Zeit Online und Matthias Fornoff, ZDF.

Geschäfts- und Finanzierungsmodelle von online verbreiteten Medien war deshalb ein zentrales Thema in vielen Panels und Debatten, das von Telekom-Chef Thimotheus Höttges in seiner Keynote zur Eröffnung der Medientage bereits vorgegeben wurde. Höttges warnte vor einem Monopol amerikanischer Internetgiganten wie Google, Amazon und Apple und rief zu einem „anständigen und bodenständigen“ Gegenentwurf europäischer Unternehmen auf. Die Erhebung von Big Data von Nutzern zur Erstellung und Optimierung individualisierter Angebote dürfe dabei nicht blockiert, sondern solle „smart“ genutzt werden. Gerade im Hinblick auf Medien-Innovationen aus dem englischsprachigen Raum und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Potential zog sich durch viele Panels ein Aufruf an Medienmacher und Medienunternehmer gleichermaßen, mehr Mut zum Experimentieren zu zeigen: „Don’t be afraid to fail“, riet die kanadische Gründerin und Geschäftsführerin von Broadband TV Sharzad Rafati.

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