„Aus Verpflichtung wurde für mich schnell Faszination“

Allyson JOUIN CLAUDE

Allyson Jouin-Claude von Le Figaro

Journalistenprofil: Allyson Jouin-Claude von Le Figaro

Nach ihrem jahrelangen Einsatz als freischaffende Journalistin für zahlreiche führende Medientitel ist Allyson Jouin-Claude im letzten Juli als TV-Expertin zur Redaktion der französischen Tageszeitung Le Figaro zurückgekehrt. Für Allyson sind Themenrecherchen und Wissensaustausch echte Motivationsfaktoren in ihrem Beruf. Uns gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit, erzählt von neuen TV-Formaten und spricht über ihre Erfahrungen mit ResponseSource.


Ihre Karriere ist beeindruckend!
Prisma Media, Mondadori Frankreich, Webedia… Sie haben mit den größten Mediengruppen in Frankreich kollaboriert und für führende Medientitel geschrieben. Was treibt Sie an und was inspiriert Sie in Ihrem Beruf?

Es ist vor allem die Neugierde, die mich anspornt. Trotz der Schwierigkeiten, die in der Natur des journalistischen Berufs liegen (und davon gibt es zahlreiche), ist es für mich als Journalistin eine große Chance, mit verschiedenen Persönlichkeiten und Perspektiven in Kontakt zu kommen. Das finde ich sehr bereichernd – sowohl auf einem menschlichen als auch kulturellen Niveau. In einer Gesellschaft der Selbstbezogenheit, wo alles und jeder gewisse Vorstellungen hegt, sehe ich mich als Journalistin als Querdenkerin, die sich in alles hineinversetzen und an jede Situation anpassen kann.

Aus dieser Verpflichtung wurde für mich schnell Faszination. Vom PR-Manager, TV-Moderator, Hypnotiseur, Ex-Minister bis zum Experten für Wanddekor: Bis jetzt hatte ich im Laufe meiner kurzen Karriere die Möglichkeit, die Welten von sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten zu entdecken und zu diskutieren. Ich genieße diese Chance, sie erhält die Lust an meinem Beruf.

 

Sie haben sich auf das Fernsehen spezialisiert. In Frankreich gibt es in letzter Zeit einen nie gesehenen Aufschwung von Talkshows mit Star-Moderatoren, in der verschiedene Gruppen von Redakteuren aktuelle Themen debattieren. Finden Sie dieses Szenario als Medienjournalistin erstrebenswert? Welcher Gruppe oder Talkshow würden Sie sich gerne anschließen und warum?

In diesen Talkshows werden eher die Qualitäten des Moderators zur Schau gestellt als die der Journalisten. Dabei sind mir persönlich hauptsächlich letztere wichtig. Selbst wenn die mediale Präsenz eine gewisse Zufriedenstellung bietet, habe ich derzeit nicht das Bedürfnis, diese zu meinem Alltag zu machen. In meinen Augen sollte ein Journalist im Hintergrund bleiben, um so besser über die Ereignisse in der Öffentlichkeit berichten zu können.

Aber wer weiß – vielleicht habe ich in einigen Jahren eine nuanciertere Meinung hierzu. In dem Fall würde mich jedoch eher eine Sendungsreihe interessieren, z.B. beim Radio, ähnlich wie das was Charline Vanhoenacker und ihr Team auf France Inter gerade unternehmen.

 

Der Wandel von Ihrer Rolle als freischaffende Journalistin zur Redakteurin für Figaro muss ein großer Schritt gewesen sein. Was hat sich in Ihrer Arbeitsweise geändert?

Am meisten unterscheidet sich mit den beiden Rollen das Einkommen. Davon abgesehen sehe ich Vor- und Nachteile in beiden Bereichen. In meinen letzten Monaten als Freischaffende schrieb ich über das Fernsehen und gesellschaftliche Themen für die Webseite http://www.programme-tv.net/. Das gefiel mir äußerst gut, weil mir sehr viele Freiheiten in der Tonalität und dem Umgang mit Informationen überlassen wurden. Zudem konnte ich mir meine Zeit frei einteilen und selber entscheiden, auf welche Themen ich mich konzentrieren wollte. Die einzige Einschränkung war die Terminfrist.

Neu für mich bei Figaro ist die Beachtung, die Informationen aus dem Ausland geschenkt werden. Vorher hatte ich mich für Fernsehthemen hauptsächlich auf die nationale Landschaft konzentriert. Es ist sehr interessant nun auch zu verfolgen, was sich in dem Bereich im Ausland tut. Da Figaro ein einflussreiches und umfassendes Medium ist, spezialisieren sich verschiedene Teams auf gewisse Bereiche, wie auf die Umwelt, die Börse, die Gesellschaft, Immobilien. Innerhalb von Redaktionskonferenzen ist es immer wieder interessant, wie die einen Teams die anderen betrachten – oft kommen so neue Themen zustande.

 

Wie sollten Medienmacher und Meinungsführer Ihrer Meinung nach arbeiten – angesichts unseres heutigen, von Daten und Informationen überfüllten, Zeitalters?

Im Journalismus, insbesondere im Online-Journalismus, greift eine wirtschaftliche Logik, die unsere bisherigen Arbeitsgewohnheiten auf den Kopf stellt: Man muss nicht mehr nur qualitativ arbeiten, sondern auch quantitativ. Wir müssen produktiv sein, einen Mehrwert liefern und uns gleichzeitig in der Wust an Informationen orientieren können.

Eine bessere Organisation der Informationskanäle würde diese Aufgabe erleichtern: Wer gute Ansprechpartner kennt, um eine Recherche ins Rollen zu bringen, spart viel Zeit. Man müsste deshalb daran arbeiten, dass Informationsanbieter und -suchende sich besser untereinander koordinieren. Anschließend liegt es bei uns Journalisten, die erhaltenen Informationen zu verifizieren, zu analysieren und zu vervollständigen, bevor wir sie in unsere Veröffentlichungen einbauen.

 

Sie haben die Rechercheplattform ResponseSource bereits mehrfach für Ihre Recherche-Arbeit genutzt. Wie wurden Sie auf das Tool aufmerksam geworden und wie haben Sie es für Ihre redaktionelle Arbeit eingesetzt? Was waren Ihre Erfahrungen?

Ich habe ResponseSource durch eine Freundin und freischaffende Fachkollegin entdeckt, die mir vor gut einem Jahr von dem Service erzählte. Für meine Arbeit als Freischaffende hat das Tool mir ungemein viel Zeit gespart: eine Plattform, die kostenlos ist und Journalisten mit verschiedenen Pressesprechern in Kontakt bringt, ist sehr relevant. Nachdem ich die Details meiner Recherche-Anfrage eingestellt hatte, erhielt ich innerhalb von wenigen Stunden Antworten per E-Mail von kompetenten Ansprechpartnern, die mir bei meinen Themen weiterhelfen konnten.

Anstatt von E-Mails überhäuft zu werden (die ich wahrscheinlich aus Zeitmangel nicht hätte lesen können), erhielt ich schnell Antworten, die für mein Thema relevant waren. Sie gaben mir jedes Mal gute Anhaltspunkte für mein Thema und haben mich in Kontakt mit Pressesprechern und Referenten gebracht, um meine Artikel zu erweitern. Eine Expertin im Bereich Psychologie, ein Flugzeugpilot, und viele mehr – ResponseSource konnte meine Artikel inhaltlich bereichern. Die Plattform sehe ich daher als gute Alternative, um neue Perspektiven und Experten zu entdecken.

 

Allyson Jouin-Claude twitter unter @Allyson_JClaude.

Allysons Artikel findet man auf lefigaro.fr.

Ein Kommentar zu “„Aus Verpflichtung wurde für mich schnell Faszination“

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