Crowdfunding – erfolgversprechende Finanzierungsalternative für Qualitätsjournalismus?

Dauerkrise in der Medienbranche. Renommierte Blätter geben auf, Redaktionen werden geschlossen, Festangestellte entlassen, Honorare gedrückt. Für fundierte Recherchen fehlt die Zeit, immer weniger Verlage können Qualitätsjournalismus noch bezahlen. Journalisten, die mit Leidenschaft und Idealismus an ihrem Job hängen, müssen umdenken und neue, kreative Wege gehen. Sie nehmen ihre Zukunft und die ihrer Zunft selbst in die Hand, werden ihr eigener Verleger und machen sich und ihre Arbeit zur Marke. Finanziert wird dieser neue Weg immer häufiger über Crowdfunding: Journalisten stellen eine Idee auf einer entsprechenden Plattform vor und nennen die Summe, die sie für die Umsetzung dieser Idee benötigen. Hält die Gemeinschaft die Idee für umsetzenswert, finanziert sie das Projekt im Voraus mit vielen kleinen und größeren Beträgen. Dafür bekommt jeder Unterstützer eine Gegenleistung, zum Beispiel das fertige Buch oder auch einen Blick hinter die Kulissen während des Entstehungsprozesses.

Startnext.de, die größte Crowdfunding-Community für kreative Projekte im deutschsprachigen Raum, hat bereits über 1.500 Mal und mit einem Finanzierungsvolumen von insgesamt rund 10 Millionen Euro bewiesen, dass man gemeinsam Großes bewirken kann. Das gilt im Fall von Startnext.de nicht nur für Journalisten, sondern auch für Filmemacher, Künstler, Musiker oder Gründer. Auch auf Krautreporter.de, einer Finanzierungsplattform ausschließlich für journalistische Projekte, wurden innerhalb eines Jahres bereits 143 Projekte mit über 186.000 Euro erfolgreich finanziert. Krautreporter ermöglicht so laut eigener Aussage Storys, die wichtig sind, die aber niemand finanziert, und sorgt dafür, dass Journalismus nicht am Geld scheitert.

Wir halten Crowdfunding für einen genialen Weg, die Zukunft des Qualitätsjournalismus aktiv mitzugestalten. Und deshalb sind wir, das Team von ResponseSource, auf der Suche nach nachhaltigen journalistischen Crowdfunding-Projekten – wie Substanz, das erste digitale Wissenschaftsmagazin Deutschlands, das laut Initiatoren Platz bieten wird, um große Geschichten in Ruhe zu erzählen. Georg Dahm und Denis Dilba erklären, dass die Zeit reif sei für einen bezahlten digitalen Qualitätsjournalismus und sie dieses Experiment wagen, weil der Qualitätsjournalismus den digitalen Wandel ohne Experimente nicht überlebe. Auch an der Finanzierung der Tagung internationaler Journalistikstudenten mit dem Thema „The Future of Journalism in Europe“ in Köln hat sich ResponseSource beteiligt. Die deutsche Abteilung des  Forums für europäische Journalistikstudenten (FEJS Germany e.V.) wollte über die mittlerweile erfolgreich abgeschlossene Crowdfunding-Aktion auf Startnext Interessierte und andere Journalisten erreichen und sie bitten, das Projekt zu fördern. „Mit dem Geld können wir die Teilnahmekosten gering halten und noch mehr Referenten aus dem Ausland zum Kongress einladen“, erklärt Annika Koenig, die Vorsitzende von FEJS Germany e.V.. ResponseSource hat Substanz und die Tagung internationaler Journalistikstudenten insgesamt mit einem Betrag von 500 Euro unterstützt.

Qualitätsjournalismus durch Crowdfunding – ein Tropfen auf den heißen Stein oder eine vielversprechende Finanzierungsalternative angesichts der bröckelnden Medienbranche? Dieser und weiteren Fragen zum Thema „Journalismus in Deutschland“ gehen wir auch in einer Umfrage unter hauptberuflichen Journalisten nach, die wir vor einigen Tagen gemeinsam mit BITKOM Research gestartet haben. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse, die wir Ende Mai präsentieren werden.

Hast du schon mal ein journalistisches Projekt über Crowdfunding finanziert?

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