„Die Vorort-Recherche kann durch kein Telefonat ersetzt werden.“

Thomas Grether

Thomas Grether (Foto: Carola Müller von der Grün)

Journalistenprofil: Thomas Grether, Redaktionsbüro Grether

Thomas Grether war jahrelang Redakteur bei der „Frankfurter Rundschau“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zudem arbeitete er als Redakteur für Wirtschaft und Gesundheitspolitik bei einer Tageszeitung für Ärzte. Sein Handwerk lernte er durch ein Volontariat bei der „Frankfurter Rundschau“. Dem folgte das Studium Journalistik und Volkswirtschaftlehre an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Seit 2005 führt er sein eigenes Redaktionsbüro Grether.

Sie schreiben seit Jahrzehnten über die Tourismus- und Gesundheitswirtschaft. Wie stellen Sie sich fachlich auf, und was ist der kleinste gemeinsame Nenner?

Der kleinste gemeinsame Nenner ist eigentlich ganz einfach gute Recherche und immer mehrere Seiten eines Aspektes zu beleuchten. Das lernt eigentlich jeder guter Journalist in seiner Journalistenausbildung und ich erinnere mich da auch immer wieder an die gute Ausbildung, die ich durch mein Volontariat bei der Frankfurter Rundschau genossen hatte.

Sie wollen Ihren Lesern komplexe Sachverhalte verständlich präsentieren, schreiben Sie auf Ihrer Homepage. Wie schaffen Sie das, haben Sie Tipps?
In den letzten 15 Jahren haben sich die Arbeitsmethoden da nochmal stark verändert. Ich fange erst an, mich eines Themas über das Internet zu nähern, versuche dann in Archiven von Tageszeitungen und vor allem Fachzeitschriften über die Aspekte, die ich journalistisch beleuchten will, zu lesen, damit ich schon mehr Ahnung habe. Dann erst rufe ich Leute an, von denen ich annehme, dass sie ein tiefes Verständnis für die komplexe Materie haben. Von denen lasse ich mir das nochmal erklären, meist telefonisch, oft aber auch vor Ort. Überhaupt: die Vorort-Recherche kann durch kein Telefonat ersetzt werden, sie ist für mich eigentlich die tiefste Form des Wissenserwerbs für den Leser.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die größten Vorteile von Recherche-Tools wie ResponseSource, speziell für Ihre Bereiche?

Ich habe ResponseSource jetzt das erste Mal benutzt weil ich mich des Themas Achtsamkeit genähert habe- darüber schreibe ich für eine große Publikumszeitschrift. Ich war sehr erstaunt darüber, welche anderen Aspekte mir ResponseSource noch liefern konnte. Bevor ich ResponseSource angefragt hatte, war ich auf einem mehrtägigen Seminar zum Thema Achtsamkeit, wo die ganzen Achtsamkeit-„Gurus“ aus Europa versammelt waren, ich hatte also schon ein relativ tiefes Verständnis für die Materie. Nachdem ich ResponseSource dazu aufgerufen hatte, mir innerhalb von fünf Tagen noch Gesprächspartner zum Thema Achtsamkeit in Unternehmen zu vermitteln, habe ich Gesprächsangebote bekommen, die Ecken sozusagen ausgeleuchtet haben, auf die ich selbst während dieses Kongresses und auch nicht in meinen Vorrecherchen gestoßen war. ResponseSource hat mir eigentlich noch andere Aspekte zum Thema Achtsamkeit in Unternehmen vermittelt, auf die ich mit meiner Recherche gar nicht gekommen wäre. Es war toll, was dabei rausgekommen war. Ich habe beispielsweise Achtsamkeitslehrer telefonisch kennengelernt, die das in Unternehmen anbieten sowie Anbieter von Achtsamkeitsreisen kennengelernt.

Welche Entwicklungen erwarten Sie für die Gesundheitsbranche? Sehen Sie in Begriffen wie „Burn-Out“ Modekrankheiten oder vielmehr neue Namen für alte Phänomene?

Zunächst zu dem Begriff Burn-Out, weil ich mich damit sehr tief schon befasst habe: Burn-Out ist das geschönte Wort für Depression. Depression ist ein uraltes Phänomen, das man nur mit neuen Methoden heute besser behandeln kann, vor allen Dingen neuen Medikamenten.

In punkto Entwicklungen wird es eine sehr viel hochgradigere Aufgabenteilung innerhalb der Gesundheitsbranche geben, immer mehr Spezialisten. Das setzt beim Patienten voraus, dass er sich sehr gut informiert. Dazu leisten Portale ihren Beitrag, durch die Mediziner und Krankenhäuser bewertet werden können. Dazu leistet aber auch ein sehr guter Hausarzt seinen Anteil, der sich zunehmend als Lotse versteht, der den Patienten durch den Dschungel des medizinischen Wissens führt.

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