Warum SEO Journalisten braucht

Sonja_Tautermann

Weboptimiererin & Texterin Sonja Tautermann

Ein Gastartikel von Sonja Tautermann, Weboptimiererin und Texterin

Suchmaschinenoptimierung – viele meiner Journalistenkollegen reagieren auf dieses Wort mit Abscheu. „Da werden doch Artikel nur mit Keywords vollgestopft“ oder „Ich schreib doch nicht mehr nur über Themen, die in Google gefragt sind“ sind Vorurteile, mit denen ich schon konfrontiert wurde. Als ob die kurz als SEO bezeichnete Disziplin ihnen also etwas wegnehmen würde. Da bin ich ganz anderer Meinung: SEO und Journalismus ergänzen sich perfekt.

Ist denn nicht der (heimliche) Traum jedes Journalisten, von möglichst vielen Menschen gelesen zu werden? Sehen Tageszeitungsmacher nicht die Tage herbei, in denen die Reichweite noch eine ganz andere war? Genau das ermöglichen Suchmaschinen online, allen voran Google. Doch die Medienlandschaft hat in den vergangenen Jahren ganz anders auf den „Konkurrenten Google“ reagiert: die in den Suchergebnissen von Google verwendeten Textausschnitte seien „Diebstahl“, Verlage fordern Vergütungen laut Leistungsschutzrecht. Dass es sich dabei um kostenlose Werbung von Google handelt, haben viele Verlage offenbar immer noch nicht verstanden.


Mit Wissen Reichweite erhöhen

Mehr Reichweite führt zu mehr Seitenaufrufen – und damit zu potenziell höheren Anzeigeneinnahmen, die meist abhängig von der Zahl der Kontakte verkauft werden. Das Printgeschäft lässt sich aber nicht 1:1 auf online übertragen, mit online „lässt sich kein Geld machen“, davon sind viele Medienunternehmer überzeugt – und schielen wohl deshalb eifersüchtig auf Google, der mit seinem Online-Anzeigengeschäft Unsummen an Geld scheffelt.

Der Nachteil von Paywalls: Weniger Sichtbarkeit in Google – sprich: keine Gratis-Werbung. Weniger Traffic, weniger Shares – und frustrierte User, die den Inhalt nicht lesen  können. Wer verstanden hat, wie Google und SEO funktioniert, kann durch dieses Wissen die Online-Reichweite erhöhen. Und zwar nicht nur für die Artikel der Medienunternehmen, für die man als Journalist tätig ist. Mit SEO lässt sich beispielsweise auch die Zahl der Zugriffe auf den eigenen Blog erhöhen. Sehr nützlich, um sich etwa als freier Journalist in einem bestimmten Fachbereich zu positionieren und so von potenziellen Auftraggebern leichter gefunden zu werden.

SEO-Basics für Journalisten

SEO-Basics haben nichts mehr mit dem Vollstopfen von Artikeln mit Keywords zu tun. Auch das häufige Vorurteil, dass SEO „nur Technik“ ist, stimmt so nicht. Deswegen bin ich überzeugt davon, dass SEO-Basiswissen in keiner Online-Redaktion fehlen sollte.

  • Keyword-Recherche: die Basis
    Eine Keyword-Recherche vor dem Schreiben kann abklären: Welche Suchbegriffe sind pro Monat wie häufig in Deutschland, Österreich oder einer bestimmten Region gefragt? Antworten auf diese Frage gibt z.B. der Keyword Planner von Google (https://adwords.google.com/keywordplanner). Achtung: Ein Adwords-Account ist notwendig, danach kann nach Keywords und Region gesucht werden. So lässt sich zum Beispiel feststellen, ob eher nach dem Singular oder Plural gesucht wird, nach einem bestimmten Begriff oder einem Synonym.
    Tipp: nicht immer ist das am häufigsten gesuchte Keyword das Beste. Gerade im Medienbereich sind „long tail“-Keywords gefragt: weniger häufig gefragte Suchbegriffe, nach denen zwar seltener gesucht wird, die aber auf lange Sicht jeden Monat neue Zugriffe bringen. Das gilt natürlich auch für die eigene Webpage oder den eigenen Blog.
  • Keywords einbauen
    Die gefundenen Keywords werden dann gezielt eingebaut. Der Grund: je einfacher Google versteht, worum es in dem Artikel geht, umso leichter kann er eine entsprechende Suchanfrage auch zuordnen.
    Wichtig: Keyword in den Titel einbauen, im Vorspann und natürlich in den Fließtext. Zudem Zwischenüberschriften verwenden und auch dort, ebenso wie Synonyme des Begriffs, einfließen lassen. Dabei gilt: kein „Keyword stuffing“ betreiben, sondern so, dass es am besten natürlich aussieht – aber das muss man Journalisten ohnehin nicht erklären.
  • Backlinks
    Links von anderen Seiten sind für Google wie „Empfehlungen“: Ein solcher Backlink von einer themenrelevanten Seite zählt übrigens mehr. Lange Zeit wurde hier viel Schindluder getrieben mit gekauften Backlinks, doch auch dagegen geht Google zum Glück immer mehr vor.
    Das Gute für Medien und Journalisten: Statt sich großartig Gedanken um Backlinks machen zu müssen, werden gute Artikel ohnehin gerne geshared, geliked – und verlinkt. Freiwillig. Weiterer Tipp für den eigenen Blog oder die eigene Website: Journalistenprofil anlegen (z.B. auf torial.com), auch das ist ein Backlink.

Warum SEO also Journalisten braucht? Journalisten haben das, was vielen Suchmaschinenoptimierern fehlt: die Liebe zum Schreiben. Wird SEO einfach nur extern ausgelagert, ohne dass die Autoren Einfluss und ein Verständniswissen darüber haben, was mit ihren Texten passiert, dann könnte genau das passieren, was wir nicht wollen: Überarbeitung der Artikel nur noch aus SEO-Sicht, womöglich lediglich nach formalen Kriterien (Textlänge, Keyworddichte etc.) oder Fokus alleine auf häufig gefragte Suchbegriffe. Deswegen mein Aufruf: weiterbilden, informieren, anwenden. Denn SEO mit Liebe zum Schreiben gemacht oder andersherum: Artikel mit SEO-Wissen im Hinterkopf führen zu genau den Inhalten, die nicht nur bei den Lesern, sondern auch bei Google gefragt sind: gut recherchierte und geschriebene, wertvolle Texte, die die Fragen beantworten, die die User haben.

Über die Gastautorin:
Sonja Tautermann ist nicht nur seit Jahren Journalistin, sondern hat sich zudem auch auf Suchmaschinenoptimierung (SEO) spezialisiert. Als „Die Weboptimiererin“ unterstützt sie Unternehmen und Selbstständige dabei, ihre Einzigartigkeit im Internet sichtbar zu machen. www.web-texte.at

Ein Kommentar zu “Warum SEO Journalisten braucht

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