Im Interview: Judith Schuldreich über ihre Arbeit beim pressesprecher und die Dynamik zwischen PR-Unternehmen und Medien

Judith Schuldreich ist seit Januar 2014 Online-Chefin vom Dienst beim pressesprecher. Im Juli hat sie ihr Fernstudium als Kommunikationsmanagerin bei der Deutschen Presseakademie (depak)  abgeschlossen. In unserem Interview spricht Sie über ihre Zukunftspläne, momentane Projekte und ihre Erfahrungen mit ResponseSource als Journalistin.

Judith Schuldreich (Foto: Laurin Schmid)

ResponseSource: Im Juli haben Sie Ihr Zertifikat als Kommunikationsmanagerin von der Deutschen Presseakademie erhalten. Herzlichen Glückwunsch! Welchen Herausforderungen stellen Sie sich damit als nächstes?

Schuldreich: Tatsächlich muss ich mir darüber noch Gedanken machen, welche Herausforderungen ich damit angehen möchte. Als ich das Fernstudium begann, war mein vorrangiges Ziel, Öffentlichkeitsarbeit auch aus der Perspektive eines PR-Verantwortlichen denken und verstehen zu können. Und – ich gebe zu – um noch fundierter (fiese) Fragen für meine pressesprecher-Texte stellen zu können. Mittlerweile kann ich mir sogar vorstellen, mich beruflich in die PR-Richtung zu entwickeln. Aber bis ich mir darüber sicher bin, stelle ich weiter Fragen und übe das Konzepteschreiben für neue journalistische Formate.

ResponseSource: Welche Themen oder Projekte beschäftigen Sie momentan beim pressesprecher?

Schuldreich: Als Online-Chefin vom Dienst bin ich beim pressesprecher für die digitale Weiterentwicklung verantwortlich. Dazu gehören technischen Aspekte wie die SEO-Optimierung oder neue technische Möglichkeiten auszuloten, aber auch, Ideen und Konzepte für neue inhaltliche Formate zu entwickeln und auszuprobieren. Ein Projekt auf das ich mich sehr freue, ist unser Kommunikationskongress (#kk15) im September, den wir zusammen mit dem Bundesverband deutscher Pressesprecher veranstalten. Und natürlich wollen wir wieder eine tolle Vor-, Live- und Nachberichterstattung auf allen unseren Kanälen abliefern. Und die will vorbereitet sein.

ResponseSource: Wie gehen Sie gewöhnlich bei der Recherche für Ihre Artikel vor? Und wie bleiben Sie up to date?

Schuldreich: Mein Arbeitsschwerpunkt beim pressesprecher liegt mittlerweile mehr bei der Projektenwicklung und dem Projektmanagement als bei der täglichen Artikelrecherche. Dennoch lässt sich die Frage mit lesen, diskutieren und Kaffee trinken (gehen) leicht beantworten. Ich lese Blogs und Wirtschaftsmagazine, brauche meine morgendliche Tageszeitung und nutze tagsüber verschiedene Social-Media-Kanäle, um mich zu informieren. Aber am wichtigsten bleibt der Austausch mit Kollegen, Experten und Andersdenkenden. Das hilft mir, meine Meinung zu finden, sie zu bestätigen oder gegebenenfalls zu revidieren. Das funktioniert am besten von Angesicht zu Angesicht.

ResponseSource: Sie haben ResponseSource für Ihre Recherche bereits einige Male genutzt. Könnten Sie anhand einer Ihrer ResponseSource-Recherchen den Weg von der Anfrage zum vollständigen Artikel kurz erläutern?

Schuldreich: Wir haben vor einiger Zeit eine pressesprecher-Ausgabe zum Thema „Stiefgeschwister der PR“ gemacht, in der es um die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen Kommunikation, HR, Public Affairs, Marketing und Vertrieb ging. Ein heißes Thema, zu dem ich den Titelessay geschrieben habe. Die Ansprechpartner aus PR-Abteilungen hatte ich bereits im Kopf, aber auch die Meinung anderer Verantwortlicher wollte ich hören und habe als Test eine Anfrage eingestellt. Daraus ergaben sich Hintergrundgespräche und Kontakte, die teilweise in den Beitrag einflossen.

ResponseSource: Welche Vorteile brachte Ihnen die Nutzung von ResponseSource für Ihre Recherche? Wie nützlich waren die Antworten für Ihren Artikel?

Schuldreich: Ich war positiv überrascht, wie breit gestreut die Profile der Absender waren. Von Agenturen, über B2B- und B2C-Unternehmen bis hin zu Konzernen, KMUs und NGOs war alles dabei. Man merkte, das Thema wird überall diskutiert und viele wollten darüber sprechen, oft aber nicht zitiert werden. Daher habe ich viele Hintergrundgespräche geführt und so Themen für weitere Artikel entdeckt, gerade in Branchen, auf die ich vielleicht nicht direkt gekommen wäre.

ResponseSource: Als Online-Chefin vom Dienst für den pressesprecher arbeiten Sie eng mit Kommunikationsverantwortlichen aber auch mit Journalisten zusammen. Profitieren Sie bei Ihrer Tätigkeit manchmal auch von Ihrem Magisterstudium der Friedens- und Konfliktforschung?

Schuldreich: Ich musste bei der Arbeit tatsächlich öfter schon an die „Neun Stufen der Konflikteskalation“ nach Friedrich Glasl denken. Insbesondere, wenn es doch einmal zu einer etwas heftigeren Meinungsverschiedenheit zwischen Redaktion und Kommunikationsabteilung kommt.  Die neun Stufen beschreiben die Eskalation eines Konflikts und das mögliche Verhalten der beteiligten Parteien auf der jeweiligen Stufe. Es hilft, eine Reaktion besser zu verstehen. Es macht mich vielleicht etwas sensibler, wann eine Auseinandersetzung für beide Seiten noch positiv beendet werden kann oder ob man schon – frei nach Stufe Neun – gemeinsam, ohne Rücksicht auf Verluste, in den Abgrund schlittert.

ResponseSource: Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Dynamik zwischen PR-Unternehmen und Medien in Zukunft entwickeln?

Schuldreich: Es bleibt spannend. Auf beiden Seiten fand in den vergangenen Jahren eine Professionalisierung statt. Darauf setze ich auch für die kommenden Jahre. Denn beide Branchen stehen vor derselben Problematik: ihre Zielgruppen differenzieren sich weiter aus, sie müssen mehr um Aufmerksamkeit kämpfen, ihre Botschaften und Inhalte besser „verkaufen“. Ich glaube, Journalismus und PR können weiterhin viel voneinander lernen. Glücklicherweise werden Reibungspunkte bleiben.

Judith Schuldreich twittert unter @Ju_Sch

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