„Texte über Software entstehen im Grunde wie Reiseberichte: anschauen, erleben, vergleichen“

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IT-Journalist Sandro Lucifora

Journalistenprofil: Sandro Lucifora, freier IT-Journalist

Sandro Lucifora arbeitet seit 1990 als freier Journalist – unter anderem in den Bereichen IT und Elektronik. Neben Tests, Workshops und Fachberichten hat er auch an Ratgebern für Endverbraucher mitgewirkt. Seine zweite Leidenschaft ist das Schreiben von Reiseberichten.

Sie sind seit über 25 Jahren als freier Journalist tätig. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Sandro Lucifora: In Bezug auf Journalismus hat sich die Art geändert, wie Unternehmen ihre Neuheiten verbreiten. Wo früher Briefe per Post und persönlich Telefonate üblich waren, so „bombardieren“ mich heute einzelne Unternehmen gerne auch mal mit Dutzenden Meldungen pro Tag, per E-Mail. Die Menge an Informationen ist um ein Vielfaches größer. Was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass es auch mehr Sachen gibt, über die es sich zu berichten lohnt. Der Aufwand, „die Spreu vom Weizen“ zu trennen ist mehr geworden. Daraus ergibt sich, dass bei vielen Medien die Qualität der Berichterstattung stark zurückgegangen ist. Es geht jetzt mehr um Masse statt Klasse.

Ich beobachte oft, dass Redaktionen Pressemeldungen nur noch ungefiltert übernehmen, um der Menge an Neuigkeiten überhaupt noch Herr zu werden. Dadurch ist das Budget für freie Journalisten bei allen Medienanbietern zurückgegangen. Bei vielen Anfragen, die ich erhalte, soll ich mehr Informationen in weniger Zeilen verpacken, wodurch sich das Honorar – mit demselben Aufwand – reduziert.

Doch gibt es auch positive Aspekte! Durch die Vielfallt der Medien haben sich die Wege der Publikation vervielfacht. Während ich früher ausschließlich für Printmedien tätig war, so kann ich heute auch auf Online-Systemen wie Newsticker und Blogs erscheinen. Die Möglichkeiten machen es leichter, investigativ zu sein und auch über (den nationalen) Tellerrand hinaus zu schauen.

IT- und Elektronikthemen sind oft komplex. Wie veranschaulichen Sie technische Zusammenhänge für Normalverbraucher?

Sandro Lucifora: Dazu schalte ich mein bisheriges Wissen über die Sache ab und versetze mich in den Leser. Je nach Medium und Lesergruppe darf ich ein Grundwissen voraussetzen. Doch gerade bei Endverbraucherthemen erkläre ich die Themen so, dass sie wirklich jeder verstehen kann, der noch nie, wirklich noch nie, ein technisches Gerät in der Hand hatte.

Dabei verwende ich die Sprache meiner Zielgruppe. Das heißt, schreibe ich für IT Administratoren, dann darf ich auch von einer NAS, einer IP oder der OSI-Schicht sprechen. In anderen Fällen bediene ich mich Metaphern aus dem täglichen Leben. So erkläre ich zum Beispiel einen Mailserver damit, indem ihn meinen Lesern mit einem Haus verbildliche: Die Postfächer sind die Briefkästen und die E-Mail-Adresse das Namensschild, das darauf klebt. So sehen sie direkt, dass ein Briefkasten mehrere Namensschilder haben kann und verstehen, wieso ein E-Mail-Postfach und eine E-Mail-Adresse nicht identisch sein müssen.

Bei schwierigen Themen greife ich gerne auch auf meine Freunde und Kollegen zurück, bitte sie meine Texte zu lesen. Sind sie verständlich, bin ich zufrieden. Bei den kleinsten Rückfragen, so einfach sie auch erscheinen, lasse ich die Antworten in den finalen Text einfließen.
Grundsätzlich schreibe ich nach dem Prinzip „Nimm den Kapitän mit auf die Reise“. Damit meine ich, dass ich den Leser in meinen Gedanken mitnehmen muss. Dazu erzähle zuerst, welches Ziel ich in meinem Beitrag verfolge und erkläre dann den Weg dorthin.

Neben IT- und Telekommunikation-Artikeln schreiben Sie auch Reiseberichte und veröffentlichen Ratgeber. Wenn Sie sich entscheiden müssten: Woran hängen Sie am meisten?

Sandro Lucifora: Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Denn ich liebe es, technische Sachen aufzuarbeiten, Produkte zu testen und mit den Augen meiner Leser zu sehen. Es ist toll, immer am „Puls der Zeit“ zu sein, neue technische Themen zu erarbeiten und herauszufinden wie bestimmte Techniken und Produkte funktionieren. Daher mache ich das seit über 25 Jahren, und ich kann sagen auch gut und erfolgreich.

Reiseberichte sind bei mir aus der Leidenschaft zu Reisen entstanden und auch hierbei Neues zu entdecken. Im Grunde entstehen Texte über andere Länder und Menschen nicht viel anders als die über eine neue Software: anschauen, erleben, Meinung bilden und darüber schreiben. Reiseberichte haben für mich den großen Vorteil, dass ich sie außerhalb meines Büros verfasse und unterwegs bin. Der Nachteil ist, dass sie viel Zeit in Anspruch nehmen.

Beide Themengebiete bearbeite ich mit derselben Leidenschaft und informiere meine Leser so gut es mir möglich ist.

In der Kategorie IT & Telekommunikation sowie Verbrauchtechnologien sind bei ResponseSource mit die meisten Antwortgeber eingetragen. Welche Erfahrungen haben Sie mit Recherchediensten gemacht?

Sandro Lucifora: Anfänglich betrachtete ich solche Dienste mit Skepsis. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich die mühevolle Arbeit, Informationen zu einem Thema zusammen zu stellen, über Dritte abwickeln lässt. Mit ResponseSource habe ich ein gutes Tool gefunden, um gerade auch von neuen Produkten zu erfahren und Ideen für neue Themen zu erhalten. So war ich von der Resonanz meiner ersten Suchanfrage positiv überrascht. Die Menge an Antworten war überwältigend, und nach der Aufarbeitung habe ich tolle neue Kontakte erhalten. Von diesen profitiere sowohl ich, als auch meine Auftraggeber und die Unternehmen.

Zudem sehe ich es sehr positiv, dass sich damit die Vielfallt und Abwechslung in meinen Beiträgen erhöht. Denn so stehen mir genau die Informationen zur Verfügung, die ich brauche, aber vorher nicht verfügbar hatte. Doch wichtig dabei ist, dass ich meine Fragen gut und klar formuliere. Sonst bekomme ich Informationen, die mir nicht weiter helfen.

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