„Podcasts erlauben mir lebendige Gespräche mit Akteuren aus der Energiewende“

 

Podcast-Blogger Andreas Kühl von energynet

Podcast-Blogger Andreas Kühl von energynet

Journalistenprofil: Andreas Kühl, Initiator und Podcast-Blogger von energy.net

Andreas Kühl berichtet auf seinem Blog energynet.de über Neuigkeiten und Initiativen aus den Bereichen energiesparendes Bauen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Etwa alle 14 Tage führt er mit Energiebloggern und engagierten Personen Interviews für den energynet Podcast. 51 Folgen kamen seit 2012 schon zusammen. Jetzt haben wir ihm mal ein paar Fragen gestellt.

In Amerika spätestens seit Serial ein Riesen-Erfolg, in Deutschland in den Kinderschuhen: Podcasts. Warum haben Sie sich mit energynet.de für dieses Format entschieden?

Ein Podcast bringt mehr Persönlichkeit und mehr Leben mit als ein reiner Textbeitrag. Die Zuhörer erfahren mehr über den Podcaster/Blogger. Sie hören die Stimmen und Tonlagen der Sprecher, das Gespräch ist auch viel lebendiger. Hinzu kommt, dass man leichter nachfragen kann als in einem schriftlichen Interivew.

Ich wollte von Anfang an auf Interviews setzen mit Gästen, die sonst nicht bekannt sind (eine Ausnahme war Prof. Claudia Kemfert vom DIW) und mit ihnen über ihre Arbeit und Sicht auf die Energiewende sprechen. Das ist eine ganz andere Art, diese Menschen kennen zu lernen als in üblichen Textbeiträgen.

Was die Besonderheit von Podcasts ist: Man kann sie, im Gegensatz zu Videos, überall hin mitnehmen oder nebenbei anhören. Sie eignen sich dadurch für die Hausarbeit, für die Auto- oder Bahnfahrt und zum Sport. Ich habe schon oft von meinen Hörern erfahren, dass sie den Podcast beim Joggen anhören, bei der Bahnfahrt oder im Auto. Mit Text oder mit Videos ist das nicht oder nur eingeschränkt möglich.


Energiethemen werden durch konventionelle Medien Ihrer Meinung nach meist zu einseitig und zu vereinfacht dargestellt. Welchen Ansatz verfolgen Sie bei Ihrer Berichterstattung?

logo-transIn meiner Themenauswahl bin ich sehr frei, daher kann ich als Blogger oder Podcaster über die Themen berichten, die sonst kaum oder gar nicht in den klassischen Medien zur Sprache kommen. Aktuell habe ich eine Serie gestartet zu dem Thema Bürgerenergie. Ich möchte die engagierten Menschen zu Wort kommen lassen, die sich für die Energiewende einsetzen und sie vor Ort voran bringen. Wer bringt die Energiewende voran, wer ist das eigentlich und was treibt diese Menschen an?

In den Medien wird sonst wird nur von einer anderen Perspektive berichtet: Der Blick von oben betrachtet die Politik und die Sichtweise der Energieversorger oder der großen Industrie. Das ist aber längst nicht alles, denn die Energiewende verändert die Akteure in der Energieversorgung und sie verändert auch die Struktur. Das kommt sonst viel zu selten vor in den Medien, daher sind auch Berichte von unabhängigen Bloggern wichtig.

Mir ist Transparenz sehr wichtig in der Berichterstattung. Die Leser sollen wissen, ob ich aus eigenem Antrieb das Thema aufgegriffen habe oder nicht. Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, wenn ich für einen Blogbeitrag bezahlt werde. Die Podcasts werden noch ohne Sponsoren erstellt, aus reinem Eigeninteresse.

Was sind die Herausforderungen im Leben eines Podcast-Bloggers? Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Stärken und die Schwächen des Mediums?

Ähnlich wie beim Blog liegt die größte Herausforderung im Podcast darin, dauerhaft dran zu bleiben und regelmäßig neue Inhalte zu liefern. Da ich nur Interviews mache im Podcast, muss ich immer wieder interessante Gesprächspartner finden, Termine vereinbaren für die Aufnahme und die Gespräche vorbereiten. Der Aufwand kann manche davon abhalten, mit einem Podcast anzufangen oder ihn langfristig fort zu führen. Zum Glück habe ich gerade ein Thema gefunden, bei dem ich noch für einige Ausgaben Gesprächspartner in der Planung habe und immer wieder neue Vorschläge von außen hinzu kommen. Man muss auch kreativer sein als beim Text, man braucht eine Erkennungsmelodie oder ein Jingle.

Die große Stärke von Podcasts ist, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer nebenbei etwas anderes erledigen können. Sie müssen nicht ständig auf den Bildschirm schauen und können sich im Optimalfall dabei noch gut entspannen. Ich bin mir sicher, dass wird noch sehr wichtig werden, andere Apps zwingen uns ja immer wieder hinzuschauen, eine Podcast-App hingegen kann zur Entspannung beitragen.

Auf Ihrer Homepage ziehen Sie einen Vergleich zwischen dezentraler Energieversorgung und neuen Medien. Wo genau sehen Sie Gemeinsamkeiten?

Die Medienwelt verändert sich genauso wie die Energieversorgung und viele andere Branchen. In der Energieversorgung kann heute jeder zum Strom-Produzenten werden und, zumindest in der Theorie, den Überschuss in der Region weiter verkaufen, damit andere ihn nutzen können. Auch in der Medienwelt kann heute jeder zum Produzent werden, jeder kann einen Verlag aufbauen, Inhalte erstellen und diese dann weiter verbreiten oder die Leistungen verkaufen. In beiden Bereichen wird dies ein Überangebot zur Folge haben und damit wird die einzelne Einheit, die Nachricht oder die Kilowattstunde, an Wert verlieren.

Bei den Nachrichten ist es heute schon so, dass die einzelne Meldung kaum einen Wert hat, es wird nur selten für Inhalte bezahlt. Auch bei der Energieversorgung werden wir bald sinkende Kosten haben können, durch fallende Kosten für Photovoltaik- und Windenergie-Anlagen, sowie für die Speicherung des Stroms. Wir haben heute schon ein Überangebot auf dem Markt, der an den niedrigen Preisen an der Strombörse sichtbar wird. Noch haben die Endkunden nichts davon, das wird sich aber in den nächsten Jahren sicher ändern.

Es ändern sich also in beiden Branchen die Strukturen, und es wird meiner Ansicht nach neue Geschäftsmodelle und neue Anbieter geben.

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