Recherche im Netz – Daten finden und Informationen verifizieren

Jeder Journalist hat seine eigenen Tricks zur Recherche. Internet-Dienste ersetzen die klassische Recherche nicht, können die Informationsbeschaffung aber ungemein beschleunigen. Die ersten Anlaufstellen sind dabei meist Suchmaschinen wie Google oder Bing. Das Problem: Dank zahlreicher Suchmaschinenoptimierungen der Webseitenbetreiber muss man Suchbegriffe anpassen und optimieren, um überhaupt relevante Informationen zu finden.

Sowohl Google als auch Bing bieten glücklicherweise viel mehr als nur einfache Abfragen. Sie lassen sich mit zusätzlichen Parametern optimieren und genau auf die jeweilige Aufgabe maßschneidern. So kann man etwa in Google mit „filetype:pdf“ nur nach PDF-Dokumenten oder über „site:Seitenadresse“ gezielt in einzelnen Seiten suchen. Google hat eine Übersicht über seine Operatoren und weitere Tipps hier zusammengestellt, Bing liefert ebenfalls entsprechende Informationen.

Bing und Google gehören zu den bekanntesten Suchmaschinen, sind aber lange nicht die Einzigen. Tatsächlich kann man Informationen und vor allem Daten inzwischen deutlich besser über spezielle Webdienste und Suchmaschinen erhalten. Zu Ostern haben wir deswegen Karten verschickt, auf der wir Journalisten und Blogger clevere Dienste vorgestellt haben, über die sie an neue, exklusive Informationen gelangen oder mit denen sie bestehende Informationen verifizieren können.

ResponseSource hilft bei jedem Arbeitsschritt.

ResponseSource hilft bei jedem Arbeitsschritt.

Daten finden und aufbereiten

Egal, ob man mittels Datenjournalismus Daten vollkommen neu interpretieren oder ein  Argument untermauern möchte – korrekte Zahlen und Daten geben Artikeln die nötige Würze und erleichtern Vergleiche enorm. Allerdings natürlich nur, wenn sie stimmen, und genau das macht gute Quellen so wichtig. Und wenn es um statistische Informationen geht, dann ist der erste Anlaufpunkt klar: DeStatis, die Webseite des statistischen Bundesamtes. Diese liefert Daten, Zahlen oder Indikatoren für einzelne Regionen, ganz Deutschland oder Europa. Sollten die verfügbaren Informationen nicht ausreichen, organisiert das Amt Datenrecherchen, die in der Regel kostenfrei sind.

Geht es um komplexe Datenabfragen, etwa welches Wetter in Bonn am 9. November 1989 herrschte, ist die Suchmaschine Wolfram Alpha perfekt. Dieses System erlaubt komplexe Abfragen und kann neben Kontext-Suchen auch Formeln berechnen. Diese Seite demonstriert mögliche Anfragen, leider funktioniert Wolfram Alpha nur mit englischen Anfragen.

Hat man die passenden Zahlen, geht es an die Aufbereitung. Und weil die ewig gleichen Diagramme ihren Appeal irgendwann verlieren, hilft die Webseite Knoema. Hier findet man nicht nur fertig aufbereitete Daten, sondern kann sich auch neue Anregungen für die Aufbereitung eigener Informationen holen. Eine Alternative zu Knoema bietet DataWrapper Auch dieser Webdienst hilft beim Aufbereiten von Daten. Der Unterschied: Auf Wunsch kann man DataWrapper als eigenen Server betreiben und so die komplette Kontrolle über die Informationen behalten.

Clevere Helfer bei der Recherche

Clevere Helfer bei der Recherche

Anregungen und Hintergrundinformationen zu Datenjournalismus und zur Aufbereitung von gesammelten Informationen liefert das DataJournalismHandbook. Entstanden als Gemeinschaftsprojekt von Zeitungen wie dem britischen Guardian, der Zeit oder der Deutschen Welle zeigt das Handbuch den Arbeitsablauf innerhalb der Datenjournalismus-Abteilungen und gibt Tipps, wie sich Daten innovativ neu aufbereiten lassen.

Verifizierung – stimmen meine Informationen?

Nichts ist peinlicher als eine Falschinformation zu verbreiten. Gerade bei sich schnell verbreitenden Informationen im Internet, Bilder auf Twitter oder Videos auf YouTube ist die Verifizierung von Informationen wichtiger als jemals zuvor. Besonders bei topaktuellen Meldungen aus Krisengebieten schleichen sich durch politische Färbungen häufig Fehler oder Interpretationen ein, die nicht sofort als solche erkennbar sind. Eine gute erste Anlaufstelle ist das Verification Handbook. Leider aktuell nur auf Englisch erhältlich, liefert es eine ganze Reihe an Informationen und Tipps, wie Journalisten gezielt herausfinden können, ob Informationen aus Krisenherden und Katastrophengebieten stimmen können. Neben Fallbeispielen beschäftigt sich ein komplettes Kapitel mit hilfreichen Werkzeugen im Web. Besonders praktisch: Sowohl die Webseite wie auch die eBooks (wahlweise in den Formaten PDF, ePub oder Kindle) sind kostenfrei nutzbar.

Auch Internet-Witze oder unglaubliche Bilder können sich als gefälscht herausstellen. Bei Bildern hilft oftmals eine umgekehrte Suche, um den Ursprung herauszufinden. Das klappt nicht nur mit der umgekehrten Google Bildersuche, sondern auch spezialisierte Suchmaschinen wie TinEye helfen hier (wahlweise direkt als Browser-Plugin).

Für die wirklich gründliche Recherche können Datenbanken und Tools den persönlichen Kontakt zu einem Experten nicht ersetzen. Deshalb bleibt der Griff zum Telefonhörer auch bei der Suchmaschinen-Suche eine wichtige Ergänzung. Und wenn es darum geht, ganz neue Ansprechpartner zu finden oder Informationen, die bisher noch nicht sowieso schon im Web stehen, ist ResponseSource eine gute Adresse. Wir verknüpfen Journalisten und Blogger nicht nur mit Unternehmen, sondern auch mit Experten und Sprechern aus der Wissenschaft– eben um spezielle Themen besser zu verstehen oder bereits vorliegende Daten zu verifizieren.

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