Spotlight: Journalismus Y

Ein Gastartikel von Angelo Zehr und Luca Ghiselli

Bild: Anna Zimmermann

Bild: Anna Zimmermann / journalismus-y.ch

Gestern hat jemand zu mir gesagt: «Ihr seid die erste Generation, die ihren Eltern erklären muss, wie die Welt funktioniert». Unsere – also die Generation Y? Tatsächlich erlebe ich es ständig, dass Gleichaltrige ihren Verwandten bei Computerproblemen helfen müssen. Einzig das aber ist natürlich nicht ausschlaggebend.

Jedoch spüre ich in der Tat einen großen Unterschied zwischen unserer und anderen Generationen: Online- und Mobile Helfer werden von Jungen ganz selbstverständlich in ihren Alltag integriert. Untereinander macht man sich auf neue Plattformen und spannende Inhalte aufmerksam. Rasch und ohne Scheu versteht es unsere Generation, die Technologien zu unserem Nutzen einzusetzen.

Nicht, dass es auch Ältere gäbe, die das so tun. Auch in den älteren Altersgruppen gibt es Neugierige und jene, die Freude daran finden, dass man im Leben nie ausgelernt hat. Leider vermisse ich aber dies oft bei vielen älteren Kollegen. In meiner Generation, scheint mir die Lust, etwas voranzutreiben, viel größer.

Sicherlich auch deshalb haben wir unseren Podcast gestartet. Thematisch möchten wir Gleichaltrigen und Jüngeren den Journalismus näher bringen. Ein anderes Ziel ist es aber auch, bei allen Zuhörern eine Lust zu wecken – eine Freude. Nur so glauben wir, werden auch in Zukunft genügend Leute diesen Beruf mit der nötigen Leidenschaft verfolgen.

Reichlich oft haben wir zwei es versucht, am Arbeitsplatz etwas zu bewegen. Es ist aber gar nicht so leicht, merkt man schnell, denn hohe Hierarchien, lange Entscheidungswege und die Tendenz, auf neue junge Mitarbeiter nicht gleichermaßen zu hören, wie auf jene, die schon lange dabei sind, verhindern Innovation oft.

Charakterstärke beweist aber genau jener, der offen ist für Neues und die Ungewissheit, wie die Zukunft aussehen wird, akzeptiert. Hören wir auf, uns an alten Modellen festzuhalten und uns die alten Zeiten zurückzuwünschen. Echte Freude an der Arbeit entsteht erst dann wieder, wenn wir selbst und unsere Organisationen beweglicher und experimentierfreudiger werden.

Rein theoretisch kann man sich natürlich auch einfach weiterhin über diese neuen Medien ärgern und sich ihnen verschließen. Chancen erkennt man aber erst dann, wenn man sich darauf einlässt und neue Dinge mindestens ausprobiert. Heute mögen die klassischen Geschäftsmodelle noch funktionieren. In wenigen Jahren wird der Punkt aber erreicht sein, dass die digitalen Kanäle die analogen überholen und wer es schafft, bis dahin erfolgreich umzustellen, wird überleben.

Es ist eine unglaublich spannende Zeit für den Journalismus. Rollen werden neu definiert. Es kommen neue hinzu. Nutzen wir die Gunst der Stunde. Seien wir agil, probieren wir Dinge aus, denn die technischen Werkzeuge werden immer mächtiger und einfacher in der Bedienung.

Es ist neu und interessant, mit wie wenigen Mitteln man heute ein Publikum erreichen kann – man braucht dazu kaum mehr als ein Smartphone und einen Computer, alles weitere ist Zusatz. Letztlich auch deshalb genießen wir es, mit unserem Podcast alle Freiheiten bei wenig bis keinen Kosten zu haben. Bereits einige hundert Zuhörer konnten wir für uns gewinnen.

Sind auch Sie an weiteren Gedanken zu diesem und anderen journalistischen Themen aus der Sicht der Generation Y interessiert? Toll, wir haben nämlich diesem Artikel eine kleine Sondersendung auf unserem Blog und in unserem Podcast gewidmet – also gleich reinhören und abonnieren!

Kategorie: Gastartikel, Spotlight | Stichwörter: , ,
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Über Christiane Gross

Christiane Gross ist gebürtige Südtirolerin und hat nach ihrem BWL Studium an der Bocconi Universität in Mailand mehrere Jahre im Marketingbereich für internationale Lebensmittelkonzerne in Barcelona gearbeitet. Dort hat sie dann ihren Job an den Nagel gehängt und sich für ein Jahr auf Weltreise begeben. So ist sie in London „hängengeblieben“, um dort eine Familie zu gründen. Bei ResponseSource kümmert Sie sich um die Antwortgeberseite als Marketing and Sales Executive.

5 Kommentare zu “Spotlight: Journalismus Y

  1. Claudia

    Der Teaser dieser Story hat mich bewegt, einen Kommentar zu schreiben. Es mag sein, dass die jüngere Generation mit Social Media, dem Smartphone und Apps umgehen kann. Ich erlebe es aber sehr, sehr häufig, dass Kontaktpersonen in StartUps null Ahnung von einem Worddokument, einer Excel-Tabelle und einem E-Mail-Anhang haben. Da muss ich dann immer erklären, wie man Daten verkleinert und anhängt, was der Unterschied zwischen Auflösung und Bildgröße ist usw. usf. Die ganz normalen Office-Anwendungen, die ja immer (noch) Gang und Gebe sind in der Geschäftswelt/ in der Kommunikation zwischen New und Old economy – sind teilweise unbekannt. Da besteht Nachholbedarf. Wir Büro-Assis haben nun echt keine Lust und Zeit den Newbies die ganz Chose zu erklären.

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    1. Angelo Zehr

      Dann können wir ja vielleicht gegenseitig voneinander profitieren 😉 Ich selbst erlebe mein Umfeld als sehr technik-affin und Mail-Anhänge sind da gang und gäbe. Aber kann sein, dass im Zeitalter von unbeschränktem Speicherplatz das Gespür für Dateigrössen etwas verloren geht. Gebe dir Recht. Office gehört immer noch zum Standardwissen. Eigentlich mehr denn je. Wird deshalb ja eigentlich auch in der Schule bereits unterrichtet.

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  2. apedus

    Mit Verlaub: Ich habe selten so einen Dummsinn gelesen. Wie beinahe die gesamte Generation Y scheint auch die Autorin derart überzeugt von ihrer allesüberstrahlenden Einzigartigkeit, dass es einem gruseln kann!

    Zugegeben: Auch ich – eine Vertreterin der „Generation Golf“ – empfinde das wachsende Desinteresse um mich herum als zunehmend erschreckend. Mit dem Alter hängt das aber nur mittelbar zusammen. Das merke ich immer dann, wenn ich auf 30-Jährige treffe, die schon heute älter im Kopf sind als ich es jemals sein werde …. Denen es einzig und allein und ohne Rücksicht auf Verluste ums eigene Wohlbefinden geht. Und den Applaus ihrer Community natürlich.
    „Lust, etwas voranzutreiben“? Auch das ist kein Spezifikum der Generation Y. Stattdessen habe ich den Eindruck, dass es den Y-ern oft weniger um das konkretes Ziel geht; es geht um das Vorangetrieben, um des Vorantreibens willen! Und genau da komme ich an den Punkt, der mich ob seiner Unreflektiertheit besonders ärgert: Die Kollegin attestiert eine „Tendenz, auf neue junge Mitarbeiter nicht gleichermaßen zu hören, wie auf jene, die schon lange dabei sind“, und dass dies oft „Innovation verhindere“. Im Ernst jetzt?!?
    „Charakterstärke beweist aber genau jener, der offen ist für Neues und die Ungewissheit, wie die Zukunft aussehen wird, akzeptiert.“ Diese Feststellung, liebe Kollegin, gilt auch für Euch, die ihr als Einsteiger, Anfänger o.ä. eben doch noch nicht alles wisst. Nicht wissen könnt. Die auch ihr neugierig sein und bleiben solltet auf das, was womöglich gar nicht mehr ganz so neu ist. Und dann könnt ihr ja immer noch entscheiden – idealerweise im Team – was einen nach vorne bringt und was nicht.

    Zum Schluss noch dies: „Es ist eine unglaublich spannende Zeit für den Journalismus“?
    Aus meiner Sicht war und ist Journalismus immer spannend! Unabhängig vom Medium, das ich gerade zur Verfügung habe… Denn letztlich sind und bleiben es lediglich „technische Werkzeuge“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger 

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  3. f.gruen

    Ach, „die Welt erklären“ ist gleichbedeutend mit „Computerprobleme erklären“ ? Ganz schön ärmlich.

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