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Studie „Medienmacher 2014“: So reagieren Medien und das Netz

Für unsere Studie „Medienmacher 2014 – Recherche, Qualitätsanspruch und Finanzierung im digitalen Alltag“ haben wir gemeinsam mit Bitkom Research über 1300 hauptberufliche Journalisten aller Mediengattungen dazu befragt, wie sie durch den digitalen Alltag navigieren, wie sie Recherchen durchführen, wie sich der Qualitätsanspruch und die Finanzierung durch das Internet geändert haben. Zu den Erkenntnissen zählt unter anderem, dass bereits die Hälfte der Recherche online stattfindet.

Die Studie wurde von zahlreichen Zeitungen, Magazinen und Zeitschriften aufgegriffen – verständlich, schließlich beschäftigt sie sich mit der Quintessenz des Qualitätsjournalismus – der Recherche bzw. der Fähigkeit der Journalisten zur Recherche. Die Süddeutsche Zeitung fasste die Ergebnisse unter dem Titel „Nur wenige Journalisten nutzen Facebook und Twitter“ zusammen. Vor allem, so liest der PR Report aus der Studie heraus, wollen „Journos wieder mehr erklären statt nur schnell zu sein“.

Tatsächlich setzen die Journalisten auf Twitter, allerdings in erster Linie zur Kommunikation neu erschienener Artikel auf der eigenen Homepage. Oder, wie Der Tagesspiegel treffend und knapp schreibt: „Recherche ist woanders“. Die W&V greift das Thema ebenfalls auf und berichtet über die Studie im Artikel „Lieber Suchmaschine als Social Web: Journalisten und das Internet“.

Maria Irchenhause erklärt die Studie

Neben der Recherche ging es auch um die Finanzierung des unabhängigen Journalismus. Hier gab es einige überraschende Ergebnisse, wie etwa der Kress Report schreibt: „Journalisten-Studie: 38% würden nicht für eigenes Online-Medium bezahlen“. Gerade dieser Bereich wurde auch von Telepolis aufgegriffen und im Artikel „Wenn Journalisten nicht für Online-Inhalte ihres Mediums zahlen wollen“ ausgearbeitet.

Reaktion auf Twitter und Facebook

Journalisten spüren den Druck der sich wandelnden Medienbranche: Die Recherche nimmt bei den Teilnehmern der Umfrage als Kernaufgabe des Journalismus zwar täglich im Schnitt 163 Minuten in Anspruch (wobei das ein Durchschnitt ist, manche Journalisten haben leider deutlich weniger Zeit), doch 61% aller befragten Journalisten wünschen sich mehr Zeit, um Daten, Aussagen und Informationen zu prüfen und zu hinterfragen. Auf Twitter sorgte die Aussage für Zustimmung

Tweet zur Studie

und teilweise hämische Kommentare:

Tweet Reaktion Studie

Die Süddeutsche Zeitung versucht es mit einem lockeren Spruch – auch hier kratzen die Kommentare aber empfindlich am journalistischen Selbstverständnis

SZ Reaktion FB

Unsere Studie zeigt, dass Internetnutzung ein elementarer Bestandteil des Redaktionsalltags ist. Auf die Frage, wozu sie das Internet in erster Linie nutzen, gaben 87% der Journalisten das „Beobachten der Nachrichten- und Themenlage“ an, direkt gefolgt von Recherchearbeit, dabei in erster Linie zur Ermittlung von Quellen und Kontaktdaten (85%) sowie zum Einholen von Informationen und Zusatzmaterial (84%). Zur gründlichen Recherche von komplexen Sachverhalten nimmt die Internet-Nutzung mit 76% bereits merklich ab. Weniger häufig nutzen die befragten Journalisten das Internet zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Quellen (62%) oder zum Bewerten eines Themas (57%).

Selbst Journalisten bezahlen ungern online für Artikel

Und wie sieht es bei der Bezahlung aus? Die Diskussion der Medienanstalten dreht sich aktuell vor allem um die Bezahlung für Qualitätsjournalismus. Ideen wie Paywalls, Crowdfunding oder Abo-Modelle werden immer wieder diskutiert und wurden teilweise bereits umgesetzt. Die Mehrzahl (64%) der Medien, für die die Umfrageteilnehmer arbeiten, veröffentlicht kostenlos und ohne Registrierung Inhalte online, 30% der Medien setzen teilweise oder komplett kostenpflichtige Modelle ein wie Freemium, Paywall, Light (geringer Beitrag oder Registrierung) und Kontingent- oder sogenannte „Metered“ Modelle, also Vertriebsformate mit Volumenbeschränkung.

Das überzeugt allerdings oftmals nicht einmal diejenigen, die bei den Anbietern arbeiten: Von den befragten Journalisten gaben 38% an, dass sie als Leser für die Online-Ausgabe ihres eigenen Mediums kein Geld bezahlen würden. Nur 44% hingegen signalisierten ihre Zahlungsbereitschaft.

Studie Online Payment

Allein diese Angabe zeigt, dass Medienunternehmen noch viel Arbeit vor sich haben – schließlich müssen sie nicht nur die Kunden, sondern auch ihre eigenen Mitarbeiter von ihrer Qualität überzeugen. Die komplette Studie gibt es hier als PDF zum Download.

3 Kommentare zu “Studie „Medienmacher 2014“: So reagieren Medien und das Netz

  1. Pingback: Too much information - Lesezeichen - Lesezeichen vom 23. Juni 2014

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