„Wenn eine richtig gute PR-Agentur mir eine tolle Geschichte vermittelt, dann finde ich das gut.“

Marike Frick wasjournalistenwollen

Marike Frick

Journalistenprofil: Marike Frick, Journalistin und Medien-Coach

Marike Frick ist freie Journalistin und unterstützt gleichzeitig als Medien-Coach mit ihrer Webseite wasjournalistenwollen.de Unternehmen dabei, in die Medien zu kommen – mit PR, die funktioniert und auf die Bedürfnisse der Journalisten zugeschnitten ist. Wir fanden das Angebot von Marike so interessant, dass wir zusammen mit ihr ein Webinar organisiert haben, zum Thema „So reagieren Sie professionell auf Medien-Anfragen (und begeistern Journalisten)“ [Hier geht’s zur Anmeldung]. In unserem Interview stellen wir euch Marike und ihre Arbeit etwas genauer vor.

 

Marike, du bist Journalistin. Über welche Themen schreibst du so?

Ich habe schon häufig über Karrierethemen geschrieben, aber auch für Frauenmagazine über Themen wie Psychologie und Work-Life-Balance. Daneben auch immer mal wieder für Wirtschafts- und Wissenschaftsmagazine, also richtig viel querbeet. Es handelt sich hauptsächlich um Magazine – für die man immer viele Fälle und Experten braucht. In letzter Zeit kümmere ich mich aber vor allem um www.wasjournalistenwollen.de.

Du unterstützt Unternehmen jetzt dabei, in die Medien zu kommen. Wie kam es dazu, was war der Anreiz für die Rolle als Medien-Coach?

In meinem Genfer Coworking arbeiten viele Startups, mit denen ich ganz nebenbei ins Gespräch kam und die mir dann von ihren Versuchen erzählten, in die Medien zu kommen. Auf meine Frage, wie sie mit Journalisten in Kontakt treten, war die Antwort meistens: „Ich habe ganz viele Pressemitteilungen rausgeschickt.“ Daraufhin habe ich erklärt, dass das vielleicht der Fehler ist, denn Journalisten bekommen circa 100 bis 150 Pressemitteilungen pro Tag, und da ist es sehr schwer, herauszustechen. Ich habe dann angefangen, einige Tipps zu geben und irgendwann auch Seminare im Coworking angeboten. Daraufhin hatte jemand vorgeschlagen, dass ich meine Tipps online stelle. So kam eins zum anderen und jetzt bin ich seit Juni auch online als Mediencoach unterwegs.

Welche Unternehmen betreust du und wie hilfst du ihnen weiter?

Ich coache derzeit Einzelunternehmer, PR-Leute und kleine Unternehmen. Ich schaue mir bei jedem Kunden an: Welche persönlichen Geschichten bringt derjenige mit? Welche Expertise oder erfahrenes Wissen? Nehmen wir mal jemanden, der hat eine App für Diabetiker entwickelt und ist selbst Diabetiker. Diese Person bringt ganz eigene Erfahrungen mit, eine Geschichte aus dem echten Leben. Das ist für viele Magazine viel interessanter, als das Produkt selbst. Ein tolles Unternehmen zu haben reicht nun mal nicht aus, um in die Medien zu kommen, denn das ist noch keine Story. Deshalb rate ich meinen Coaching-Kunden, Journalisten einzeln anzuschreiben und ganz verschiedene Themen anzubieten. Sodass wir wegkommen von der Idee, eine einzige Pressemitteilung an 500 Journalisten zu schicken.

 

ResponseSource Webinar

 

Womit tun sich Unternehmen und PR-Verantwortliche in deinen Augen besonders schwer im Umgang mit Journalisten?

Unternehmern fällt es schwer, sich kurz zu fassen und ihre Geschichte auf den Punkt zu bringen. Das bedeutet, nur drei, vier Sätze zu schreiben und den Journalisten kurz und knapp zu fragen: „Ist das interessant für Sie?“. Viele wissen auch gar nicht, wie wenig Zeit Journalisten haben. Bei PR-Verantwortlichen ist das Problem oft, dass ihr Auftraggeber sie unter Druck setzt. Einige Kunden sagen mir, dass sie meine Tipps sehr gern umsetzen würden, aber ihr Auftraggeber will es gern anders. Deshalb wird dann doch eine Pressemitteilung an 100 Journalisten geschickt und vielleicht werden diese auch noch angerufen. Und das nervt Journalisten unglaublich, vor allem wenn es nicht relevant für ihr Thema ist.

Was waren bisher deine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit PR-Verantwortlichen und Unternehmern als Journalistin? Findest du, dass die Zusammenarbeit mit PR den unabhängigen Journalismus beeinträchtigt, wie oft behauptet wird?

Wenn eine richtig gute PR-Agentur mir eine tolle Geschichte vermittelt, dann finde ich das gut. Ich kann ja dann auch Gegenstimmen suchen und so für den Ausgleich sorgen. Ob und wie sehr ich die Fakten oder den Tonfall der Agentur übernehme, entscheide ich als Journalist doch selbst. PR-Leute können nur eines machen: Angebote. Und ich als Journalist nehme dann das, was mir passt. Das ist doch völlig in Ordnung. Nur müssen die Angebote eben gut sein – und ich rede da nicht von Lobeshymnen und Jubelarien. Wenn eine Agentur die Bedürfnisse der Journalisten versteht, dann ist das sehr angenehm.

Welche Erfahrungen hast du mit ResponseSource gemacht und welche Chancen siehst du darin für den Journalismus?

Ich sehe die Chance, dass man die Recherche abkürzt. Zum Beispiel kann ein Teil der Suche nach Experten oder Fällen über diese Plattform laufen. Wenn ich beispielsweise drei Experten suche und mich das unheimlich viel Zeit kosten würde, würde ich zuerst eine Anfrage verschicken und schauen, was zurückkommt. Danach kann ich immer noch weitersuchen. Zudem kann man so Experten finden, die noch nicht in allen großen Publikationen stehen, sich aber auch gut zu einem Thema auskennen. Ein Beispiel: Für meine Anfrage „Wie wichtig sind Doktortitel heutzutage noch?“ hatte ich eigentlich nach jemandem gesucht, der sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzt. Aber über ResponseSource hat sich ein Human-Resources-Experte von einer Unternehmensberatung gemeldet, der 40 Jahre Personalerfahrung mitbringt. Und das war für mein Thema durchaus spannend. Dadurch habe ich dann noch mal einen anderen Blickwinkel bekommen. Im angelsächsichen Raum ist das alles übrigens schon viel verbreiteter. Dort gibt es z.B. auch den Hashtag „journorequest“, über den Journalisten auf Twitter sehr erfolgreich nach Experten oder Menschen mit ganz bestimmten Erfahrungen suchen. All das verfolge ich und finde es sehr spannend!

Marike Frick betreibt auch die Facebook-Gruppe Pressearbeit selber machen.

Seid mit dabei bei unserem kostenlosen Webinar
So reagieren Sie professionell auf Medien-Anfragen (und begeistern Journalisten).

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