„Wer seine Pressearbeit „eigentlich“ selbst machen könnte, schätzt den Mehrwert den wir bieten.“

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Dietrich Homburg

Expertenprofil: Dietrich Homburg, Redaktionsbüro Stutensee

Seit 1980 unterstützt das Redaktionsbüro Stutensee mittelständische Unternehmen aus der Automatisierungsbranche bei ihrer Fachpressearbeit. Mit ihrem Team an „schreibenden Ingenieuren“, hat das Redaktionsbüro es sich zur Aufgabe gemacht, die Brücke zwischen Industrie und Fachpresse zu schlagen und 1996 einen jährlichen Branchentreffpunkt für Presse und Industrie ins Leben gerufen. Wir haben den Gründer Dietrich Homburg zu seinem Unternehmen befragt.

Das Redaktionsbüro Stutensee spezialisiert sich auf die Fachpressearbeit in der Automatisierungsbranche. Welche Trends und Entwicklungen in der Automatisierung sind Ihrer Meinung nach derzeit besonders spannend und warum?

In der Automatisierung sehe ich zwei große Trends. Der eine ist die Entflechtung von Gerät und Funktion, also beispielsweise die Möglichkeit, Hardware und funktionelle Abläufe getrennt voneinander weiterzuentwickeln. Von Vorläufern abgesehen, setzte diese Entwicklung Ende der 60er Jahre ein, nahm mit frei programmierbaren Steuerungen und später Mikroprozessoren Fahrt auf und hat jetzt wohl einen Höhepunkt erreicht. Vergleichbares geschieht bei Handys, wo eine neue App plötzlich Verbesserungen oder völlig neue Anwendungen mit dem gleichen Gerät ermöglicht.

Eine andere große Linie ist die Vernetzung. Komponenten, Geräte, ja ganze Anlagen und Fabriken werden so miteinander verbunden. Das erfordert eine völlig neue Denkweise. Beispielsweise bestehen Geräte jetzt oft aus „mechatronischen“ Funktionsblöcken, die von einer überlagerten Instanz nur Zielanweisungen erhalten und alles übrige selbständig abwickeln. Gleiches gilt im größeren Rahmen für ganze Anlagen und Fabriken. Mit dem viel diskutierten „Internet der Dinge“ wird sich dieser Trend noch verstärken.

Sie bezeichnen sich als „Brücke zur Presse“, verfügen über eine beachtliche Liste an Kunden, verzeichnen jährlich circa 600 größere Veröffentlichungen und das mit einem Team von lediglich 10 Mitarbeitern. Wie haben Sie Ihr Netzwerk aufgebaut und was haben Sie in den 36 Jahren seit Ihrer Gründung gelernt?

Als Redakteur kannte ich viele Kollegen und durch reichlich Firmenkontakte war ich vertraut mit „Pressenöten“, vor allem im Mittelstand. Hier die Brücke zu schlagen war mein Anliegen. Von da an wuchs unser Netzwerk, nicht zuletzt durch die Fachpressetage, an denen sich schon über 200 Redaktionen und über 250 Unternehmen beteiligten. Bei begrenzter Teilnehmerzahl gibt es dort viel Raum für persönliche Begegnung, auch für uns selbst.

Unsere vielen Veröffentlichungen haben natürlich auch mit diesen guten Kontakten zu tun aber mehr noch mit Textqualität. So schaffen wir es, Fachartikel mehrfach unterzubringen. Dennoch ist die Zahl der geschriebenen Artikel für die Teamgröße erstaunlich. Die Gründe, die ich sehe: Unsere Autoren sind ungewöhnlich engagiert und durch unser selbstentwickeltes ERP-System äußerst produktiv. Es verhindert Doppelarbeit und aufwändige Pannen.

Gelernt habe ich in all den Jahren: Mündige Kunden sind die besten Kunden und wer seine Pressearbeit „eigentlich“ selbst machen könnte, schätzt den Mehrwert den wir bieten.

Sie erwähnten gerade die alljährlichen Fachpressetage, ein Treffpunkt für Industrie & Fachpresse, wo Teilnehmer durch Networking, eine Kontaktmesse oder eine sogenannte Multi-Pressekonferenz Kontakte knüpfen können. Wie kam die Idee zustande? Wer darf daran teilnehmen?

Pressekonferenzen, wenn mit einer Anreise verbunden, kosten einen Tag oder mehr und sind darum bei Fachjournalisten nur mäßig beliebt. Entsprechend bescheiden ist oft deren Teilnehmerzahl. Unsere Überlegung: legen wir mehrere Pressekonferenzen an einem Ort zusammen, lohnt sich auch eine weitere Anreise. Dieses Konzept ging auf und aus fünf Firmen bei den ersten Fachpressetagen wurden durch Mund-zu-Mund-Propaganda etwa 20 Interessenten für die zweiten. Wir mussten also die Vorträge auf wirkliche Highlights begrenzen, was der Veranstaltung bei den Journalisten einen weiteren Schub gab. Folgerichtig war dann, eine Tischmesse anzugliedern, vor allem für Leute, die Journalisten gezielt informieren wollen.

Einen Vortrag halten dürfen alle mit einem für die Automatisierungstechnik relevanten Thema. Was zugelassen wird entscheiden die Journalisten anhand eines eingereichten Abstracts. Die Plätze für die Tischmesse werden in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben. Ansonsten gibt es noch eine begrenzte Zahl an Networking-Teilnehmern, wobei wir auf ein ausgewogenes Verhältnis von Journalisten und Firmenteilnehmern achten.

Sie schreiben ebenfalls Beiträge für Redaktionen und bieten diese auf Basis von Umfeld-Exklusivität an. Können Sie uns das Konzept kurz erklären und welche Vorteile Sie sich davon versprechen? Stoßen Sie auch manchmal auf Unverständnis?

Unternehmen wollen naturgemäß ihre Beiträge so oft wie möglich gedruckt sehen, Redakteure wollen größere Texte natürlich exklusiv. Diesen Widerspruch löst unser Methode. Redakteure wollen Exklusivität vor allem, damit beim Wettbewerber nicht vorher oder zeitgleich derselbe Artikel erscheint. Eine Veröffentlichung in einer Chemiezeitschrift lässt einen Redakteur einer elektrotechnisch orientierten Zeitschrift in aller Regel kalt. Für ein Unternehmen, das Elektrotechnik in die Chemiebranche liefert, sind diese Veröffentlichungen wertvoller als zwei in der gleichen Branche.

Wir haben darum in mühevoller Kleinarbeit von einigen hundert Redaktionen erfragt, wen man jeweils als Wettbewerber sieht. Dies ist in einer Datenbank hinterlegt und wir finden damit nicht konkurrierende Zeitschriften. Wir haben so durchschnittlich über sechs Veröffentlichungen pro Beitrag. Die Veröffentlichungen sind darum für unsere Kunden ungewöhnlich preisgünstig, obwohl wir viel Zeit für Qualitätssicherung aufwenden. Den Redaktionen haben wir die Methode von Anfang an offen kommuniziert und es gab erstaunlich wenige, die sie nicht von Anfang an akzeptierten.

Sie sind ein geschätzter Antwortgeber auf unserer Rechercheplattform ResponseSource. Wie schätzen Sie das Potenzial von Recherchediensten für die Automatisierungsbranche ein und können Sie diesen Service weiterempfehlen?

Auf die Idee von ResponseSource bin ich sofort angesprungen. Das Ziel, Presse und mögliche Informanten zusammenzubringen ähnelt stark unserer Zielsetzung, dem Mittelstand den Zugang zur Presse zu erleichtern. Da wir bei unseren Texten vorwiegend mit Entwicklern und Ingenieuren zusammenarbeiten, haben wir extrem viele nützliche Kontakte für die Kollegen in den Redaktionen, wenn sie technisch etwas tiefer bohren wollen. Auch unsere Autoren (drei Ingenieure, ein Chemiker, ein Physiker und eine Germanistin) können so manche Frage beantworten. Automatisierung ist inzwischen ein Thema, das jeden angeht. ResponseSource fördert für Redaktionen den Zugang zu relevanten Informationen und damit die Qualität der Berichterstattung. Ich wünsche mir, dass solche Recherchedienste mehr genutzt werden. Dies könnte so manche Diskussion auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

2 Kommentare zu “„Wer seine Pressearbeit „eigentlich“ selbst machen könnte, schätzt den Mehrwert den wir bieten.“

  1. Hertha-Margarethe Kerz

    Eine interessante Seite für Journalisten – sicher auch für Unternehmen und Organisationen, die ihre Bekanntheit steigern möchten:
    1. Nach welchen Kriterien werden die antwortenden Unternehmen / Organisationen für die Journalisten ausgesucht, wenn beispielsweise mehrere Unternehmen / Organisationen für die Beantwortung infrage kämen?
    2. Um zu verhindern, für eine Unternehmen / eine Organisation Werbung zu machen, aber auch, um die Informationsvielfalt zu gewährleisten, versucht der geneigte Journalist, mehrere Statements von unterschiedlichen Unternehmen / Organisationen in seinen Artikel zu bekommen – wie viele Interviewpartner kann er anfragen?
    3. Wissen diese Interviewpartner dann voneinander, bevor der Artikel veröffentlicht wird?
    4. Nimmt Responsesource Rücksicht auf die Wünsche von Unternehmen / Organisationen, wenn diese nicht zusammen mit bestimmten anderen Unternehmen / Organisationen in einem Artikel genannt werden wollen (Haben Sie auch eine Art Umfeldexklusivität)?
    5. Gibt es auch eine Art Umfeldexklusivität für Journalisten, wenn diese eine bestimmte Anfrage nicht von bestimmten Unternehmen / Organisationen beantwortet haben mögen (beispielsweise wenn es sich um Unternehmen / Organisationen handelt, die zu diesem Thema schon viel interviewt wurden und deren Meinungen allgemein bekannt sind – denn Journalismus besteht ja vor allem aus der Darstellung von Meinungsvielfalt)?
    6. Wie ist gesichert, dass nicht bestimmte Unternehmen / Organisationen die Diskussionskultur dominieren, um die journalistische und damit öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu manipulieren?
    7. Gibt es irgendwo eine FAQ für Journalisten?

    Antworten
    1. Stephanie Hauer Autor

      Vielen Dank für das große Interesse und die detaillierten und guten Fragen! Ich liste unsere Antworten hier in der gleichen Reihenfolge auf:
      1. Gute Frage! Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Wir vermitteln die Anfragen nicht „aktiv“ an Antwortgeber und unterscheiden uns damit von Diensten wie „Help-a-reporter“, die aktiv passende Ansprechpartner aussuchen und die Anfragen dann nur an diese weiterleiten. Die Vermittlung von Anfragen basiert bei uns auf einem automatisierten System: Unternehmen/Organisationen melden sich für Anfragen in den gewünschten Themen-Kategorien an (über unser Anmeldeformular http://www.responsesource.de/signup/) und erhalten dann (per E-Mail) automatisch alle Anfragen, die in diesen Kategorien von den anfragenden Journalisten eingestellt werden. Wenn ein Unternehmen sich z.B. für Anfragen in der Kategorie „Gesundheit“ anmeldet, erhält es alle Anfragen die Journalisten in dieser gleichen Kategorie eingestellt haben und kann auf die Anfragen die relevant sind, antworten. Anhand dieser Methode möchten wir ein Maximum an Fairness und Gleichberechtigung gewährleisten: Wir möchten, dass jedes Unternehmen, egal wie groß oder klein, die gleiche Chance auf Reichweite erhält. Dabei muss aber auch gesagt sein, dass wir Unternehmen bei der Anmeldung verifizieren, um sicherzustellen, dass es sich um echte und seriöse Unternehmen handelt.
      In einigen seltenen Fällen, wenn es sich um ein Nichenthema handelt, zu dem wir noch nicht sehr viele Antwortgeber haben, ist es auch schon mal vorgekommen, dass wir aktiv nach potenziellen Antwortgebern gesucht haben, wobei wir uns jederzeit um qualitative Ansprechpartner bemühen. Dies kommt allerdings immer seltener vor, normalerweise verläuft es über den beschriebenen automatischen Prozess.
      2. Wir mischen uns grundsätzlich nicht in die Arbeitsweise der Journalisten ein. Journalisten können eine Anfrage für Interviewpartner einstellen und daraufhin Antworten von so vielen Unternehmen erhalten wie sie möchten und selbst entscheiden, welche davon sie um ein Interview oder Statement bitten möchten und welche nicht.
      3. Hier gilt erneut, dass wir uns nicht in die Arbeitsweise der Journalisten einmischen. Dies ist etwas das jeder Antwortgeber unter Umständen mit den Journalisten ansprechen kann. Natürlich hängt es auch immer von der Natur des geplanten Artikels ab.
      4. Nein, wir bieten keine Umfeldexklusivität an, da wir selbst keine Texte für Redaktionen oder Journalisten verfassen. Wir stellen lediglich eine Plattform zur Verfügung, über die Journalisten Informationen und Ansprechpartner einholen können und die den einfachen Austausch zwischen Journalisten und Unternehmen ermöglicht. Wir mischen uns zu keinem Zeitpunkt in den inhaltlichen Teil ein, da dies die Unabhängigkeit der Medien einschränken würde. Antwortgeber die an einer gewissen Umfeldexklusivität Interesse haben, müssen dies mit dem jeweiligen Journalisten besprechen.
      5. Auch hier möchten wir nicht „Gott spielen“ und den Journalisten keine potenziell wichtigen Informationen vorenthalten. Journalisten können alle Antworten auf ihre Anfragen erhalten und dann selbst entscheiden, welche Antworten sie als interessant einschätzen und mit welchen Ansprechpartnern sie für ein Interview in Kontakt treten möchten. Das ist auch einer der Gründe weshalb wir die E-Mail-Adresse der Journalisten verschlüsseln: um ihnen ein Maximum an Entscheidungsfreiheit zu überlassen, mit welchen Antwortgebern sie näher ins Gespräch treten möchten und mit welchen nicht.
      6. Wir haben bisher kein derartiges Verhalten unter unseren Nutzern beobachtet, ganz im Gegenteil: Auch bei Anfragen innerhalb der gleichen Themenkategorie, gibt es ganz unterschiedliche Antwortgeber, sodass niemand als dominierend hervorsticht. Gleichzeitig haben wir natürlich auch keinen Einblick in die Inhalte der Antworten und bitten deshalb Journalisten, uns zu informieren, falls sie sich von Antwortgebern bedrängt fühlen. Bisher hatten wir aber noch keine derartigen Beschwerden. Außerdem kommt hier auch wieder die verschlüsselte E-Mail zum Einsatz: Journalisten können Antwortgeber, die sie als „manipulativ“ wahrnehmen, einfach ignorieren.
      7. Ja, die wichtigsten FAQ sind hier aufgelistet: http://www.responsesource.de/about/send/

      Ich hoffe, ich konnte alle Fragen gut beantworten. Rückfragen auch gern jederzeit an meine E-Mail stephanie.hauer@responsesource.de.

      Antworten

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