„Das Leben ist kein Bausatz, den wir nach Anleitung geplant zusammenbauen.“

Cordula Nussbaum

Cordula Nussbaum (Foto: Jan Roeder)

Expertenprofil: Cordula Nussbaum, Zeitmanagement für Kreative Chaoten

Cordula Nussbaum gilt als „führende Expertin im Bereich Zeitmanagement“ (DER SPIEGEL Wissen) und beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den Geheimnissen unseres persönlichen Erfolges. Sie entwickelte vor über 16 Jahren einen neuen Selbstmanagement-Ansatz – der konsequent den Persönlichkeiten der Einzelnen sowie deren Alltag Rechnung trägt. Ihr „kreativ-chaotisches“ Zeit- und Selbstmanagement nimmt dabei besonders Rücksicht auf die Anforderungen von Querdenkern, sowie den Anforderungen in unserer heutigen kreativ-chaotischen, agilen Welt. Die langjährige Wirtschaftsjournalistin ist 15-fache Buchautorin, u. a. des Titels „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?“ und erhielt 2014 die weltweit höchste Auszeichnung als professionelle Rednerin.

Wie kamen Sie auf die Idee, Coach für Zeitmanagement zu werden?

Als Wirtschaftsjournalistin habe ich 2002 begonnen, freie Journalisten-Kollegen zu schulen, wie sie gutes Marketing für sich machen können und hohe Honorare bekommen. Immer wieder hörte ich dann, wie sie klagten, ja, sie wüssten Marketing sei wichtig, Selbstmarketing sei wichtig… aber sie hätten doch im Trubel des Alltags einfach keine Zeit dazu. Mir war es aber ein Herzensanliegen, dass die Kollegen wirklich glücklich und erfolgreich arbeiten. Und so beschloss ich das Thema „Zeitmanagement“ in die Marketing-Seminare mit aufzunehmen. Allerdings wusste ich auch, dass ich „Zeitmanagement“ auf gar keinen Fall so lehren will, wie ich es im Beruf kennengelernt hatte: Listen schreiben, diszipliniert abarbeiten – und einen leeren Schreibtisch haben. Diese Tipps hatten bei mir null funktioniert – und deshalb wollte ich es so nicht weitergeben. Aber es war die Initialzündung, mich in das Thema reinzuknien, und nach Methoden zu suchen, die eher zu mir – und den freien Kollegen – passen würden. Und dann entwickelte ich den Ansatz „Zeitmanagement für Kreative Chaoten“. Heute ist es mein Hauptthema, das ich in Seminaren, Vorträgen, Büchern, Onlinekursen und auch im Coaching weitergebe.

Heutzutage gibt es doch so viele Apps im Bereich Zeitmanagement und Produktivität. Reicht das für das tägliche Zeitmanagement nicht aus?

Im Gegenteil (lacht). Viele vermeintlichen Produktivitäts-Apps sind der größte Zeitfresser. Bis du sie eingerichtet hast, bis du damit gut umgehen kannst, brauchst du eine Menge Zeit  – und dann kommt ein Update, und deine Daten sind weg. Ich verstehe mich deshalb eher als „Filter“ im Thema Zeitmanagement und persönlicher Erfolg. Ich schaue mir alles an, was ich an Methoden, Apps, Ideen, Strategien für mehr Produktivität und persönliche Zufriedenheit in die Finger bekomme, teste die Sachen und empfehle dann, was ich für gut erachte. Und ich gebe auch ganz viel weiter, was unsere Einstellung zum Thema Produktivität verändern kann. Mein Credo ist: Es gibt nicht DEN Weg zu mehr Erfolg, Produktivität oder Gelassenheit. Es gibt DEINEN Weg. Ich stärke den Menschen den Rücken sich nicht an 0815-Methoden abzuarbeiten, weil „man“ das doch so macht. Sondern ich ermuntere sie, den EIGENEN Weg zu finden und zeige ihnen, wie sie den gehen können.

Sie sagen Sie geben Zeitmanagement-Tipps für „kreative Chaoten“. Kann ich denn kreativer Chaot sein und trotzdem gut organisiert sein?

Ja, absolut. Als Kreativer Chaot werden Sie lediglich die eigene Organisation anders anpacken, als systematische Zeitgenossen.  Während Systematiker beispielsweise sich Listen schreiben und detaillierte Pläne erstellen, die sie dann stoisch und diszipliniert abarbeiten, blühen Kreative Chaoten auf, wenn sie viel Freiraum in der täglichen Tagesgestaltung haben, also viel Raum für Spontanes. Für Journalisten ist das sogar im Alltag oftmals die bessere Herangehensweise, gerade wenn Sie in der Tagesaktualität sind. Wenn Themen, Abgabedeadlines oder Interviewtermine immer wieder umgeworfen werden, dann verspüren systematische Menschen eher Stress – denn sie wollen sich an ihre erstellten Pläne halten. Der Kreative Chaot ruft „Hurra“ – und stürzt sich auf das, was neu daherkommt. Sie können übrigens in einem Gratis-Check „Chaot oder Systematiker“ unter www.Kreative-Chaoten.com herausfinden, wie Sie ticken und erhalten sofort mit der Auswertung Tipps für Ihr individuelles Zeitmanagement.

Journalisten müssen bekanntlich unter sehr hohem Zeitdruck arbeiten. Gibt es konkrete Tipps, die Sie Ihren MedienkollegInnen auf den Weg geben können?

Mein Tipp klingt im ersten Moment eher absurd – ist aber mittlerweile mein absoluter Lieblingstipp gerade in stressigen Phasen geworden. Er lautet: wenn du viel schaffen willst – tue nichts! Was meine ich damit? In der Regel je enger die Taktung wird, je höher der Druck, desto eher meinen wir durcharbeiten zu müssen, das Tempo erhöhen zu müssen. Doch so kommen meist keine guten Ergebnisse heraus und wir erhöhen die Fehlerquote. Viel besser ist es, wenn Sie beispielsweise Haare raufend an einem guten Einstieg basteln und einfach nicht vorankommen, dass Sie aufstehen, eine Runde an die frische Luft gehen. Der Effekt: eine kurze Pause, Bewegung und andere visuelle Impulse bringen uns ins Tun. Und das gilt auch allgemein: wenn Sie wissen, dass Sie viel unter Druck stehen, suchen Sie sich bewusst den Ausgleich mit Pausen machen, Nichtstun. Ich weiß, in vielen Redaktionen ist Pause machen oder ein früher Feierabend fast schon ein No-Go. Und deshalb bin ich auch sehr viel als Trainerin in Medienhäusern aktiv, um die Einstellung zum Thema grundsätzlich zu verändern und beispielsweise den Powernap salonfähig zu machen.

Wie können Sie Journalisten, die zu Ihren Themen recherchieren, unterstützen?

Sehr gerne stehe ich zu allen Fragen als Interview-Partnerin zur Verfügung, sei es für Print, Online, Radio oder Fernsehen. Sie können mich alles fragen, was mit den Themen „Zeit- und Selbstmanagement“ zu tun hat, außerdem mit den Themen „Ziele erreichen“. Auch hier habe ich eine etwas andere Sichtweise als manche Kollegen. Ich teile nicht die Meinung, man müsse sein Leben planen, um erfolgreich zu sein. Denn zum einen ist das Leben kein Bausatz, den wir nach Anleitung geplant zusammenbauen. Zum anderen wehren sich kreativ-chaotische Menschen gegen „Pläne“. Und die brauchen wir auch nicht. Ein glückliches Leben ist auch ohne Lebensplan möglich (lacht). Außerdem kann ich gerne komplette Fachartikel schreiben oder auch Selbstchecks mit Auswertungen und Tipps für die Redaktionen entwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch!

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