Edelman Trust Barometer – Erkenntnisse für den Journalismus

Das diesjährige Trust Barometer von Edelman ist erschienen und obwohl es wenige große Überraschungen offenbart, weist es doch einige interessante Erkenntnisse für die Medienindustrie und den Journalismus auf.

Journalisten genießen weltweit mehr Vertrauen im Vergleich zu 2017, Plattformen dagegen weniger.

Während das Vertrauen in die Medien in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben ist, sind einige Unterschiede für den Journalismus zu erkennen, wenn man sich die „Medien im großen Ganzen“ etwas mehr im Detail anschaut.

Menschen verstehen unter dem Begriff  „die Medien“ nicht nur Verlage und Nachrichtenunternehmen, sondern auch Plattformen wie Suchmaschinen und soziale Netzwerke.

Man stellt dann fest, dass das Vertrauen in „die Medien“ insgesamt weiterhin niedrig ist, das Vertrauen in den Journalismus weltweit aber gestiegen ist, während das Vertrauen in Plattformen wie Facebook, Twitter, Bing oder Google gesunken ist. Der Abstand zwischen dem Vertrauen in den Journalismus im Vergleich zum Vertrauen in Plattformen ist in Deutschland am größten. In Deutschland wird Journalisten also weitaus mehr Vertrauen geschenkt, als Plattformen wie sozialen Netzwerken (u. a. Facebook, Twitter) und Suchmaschinen (u. a. Google, Bing). Obwohl dies natürlich ermutigend für deutsche Journalisten ist, kann von einer Wiedergeburt des Journalismus aber leider nicht die Rede sein.

Denn laut der Studie konsumieren zwei Drittel (67%) der Deutschen Nachrichten nicht mal mehr wöchentlich („the Disengaged“), während nur 15% der Teilnehmer News einmal oder mehrmals wöchentlich konsumieren („Consumers“) und 18% der Leser die News auch noch zusätzlich in ihren Netzwerken teilen („Amplifiers“).

Welche Gründe hinter dieser Nachrichtenverdrossenheit stecken, dazu gibt es in der Studie keine klaren Antworten, allerdings weist sie auf einige Gründe für die Skepsis gegenüber Medienorganisationen hin.

So hatten Teilnehmer weltweit den Eindruck, dass News-Organisationen sich eher um Zuschauerzahlen als um die Qualität der Berichterstattung kümmern (66%), es Nachrichtensendern eher darum geht, wer eine Story als erstes berichtet, als dass die Story faktisch korrekt sei (65%), und dass Nachrichten oft von einer gewissen Ideologie geprägt sind (59%).

Zudem können weltweit 63% der Menschen nicht zwischen qualitativem Journalismus und Falschmeldungen unterscheiden, wobei es 59% der Menschen schwerfällt, zwischen renommierten Publikationen und weniger qualitativen Publikationen zu unterscheiden. Dies deutet darauf hin, dass selbst im digitalen Zeitalter ein Großteil der Leser nicht besser informiert ist und sich schwer damit tut, guten Journalismus oder Unwahrheiten zu erkennen. Ein Großteil der Leser scheinen somit anfällig für Manipulation und Fake News zu sein.

Die Bekämpfung von Fake News wird für Redaktionen also sicher nicht so schnell von der Tagesordnung verschwinden. Außerdem wird ein Bedarf nach mehr Nachrichtenkompetenz für Leser klar deutlich.

Das diesjährige Trust-Barometer hat verdeutlicht, dass die Medienindustrie sich in einer Zeit der tiefen Verunsicherung befindet, hat aber auch gezeigt, welche Probleme es zu bekämpfen gilt, um das Vertrauen in den Journalismus wieder zu stärken.

 

Quelle und Bildnachweis: 2018 Edelman Trust Baromater Global Report

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