„Eine App ist dann wirklich gut, wenn sie ein konkretes Problem zuverlässig löst“

Ackee

Dr. Josef Gattermayer (Foto: Jan Hromadko)

Expertenprofil: Dr. Josef Gattermayer, Ackee

Ackee ist eine App Agentur, die mobile sowie Web-basierte Apps für ihre Kunden erstellt. Das Unternehmen besteht seit 2012 und hat rund 50 Mitarbeiter, die alle Projekte inhouse betreuen. Der Hauptsitz ist Prag, 2016 öffnete die Berliner Niederlassung ihre Türen. Ackee hat bereits Projekte für namhafte Unternehmen der Finanzwirtschaft, Automobilindustrie, Unterhaltungselektronik sowie Lieferdienste realisiert. Unter den Kunden sind Delivery Hero, Skoda, T-Mobile und die Ethereum Foundation. Derzeit entwickelt das Tech-Unternehmen die neue App für den deutschen Bundestag. Wir sprachen mit Dr. Josef Gattermayer, Chief Information Officer und Co-Founder von Ackee.

Als App Agentur ist Ackee auf die Entwicklung von mobilen und Web-Apps spezialisiert. Was macht eine gute App aus und wie lange dauert es gewöhnlich, eine App fertigzustellen?

Eine App ist dann wirklich gut, wenn sie ein konkretes Problem zuverlässig löst. Ein beliebter Fehler ist es, in einer App ein Schweizer Taschenmesser zu sehen. Nur wenn die App das beste Werkzeug für eine konkrete Anwendung ist, macht sie das leicht nutzbar und erfolgreich. Genau das empfehlen wir unseren Kunden. Als Product Owner kennen wir nämlich auch die Kundenperspektive gut. Wir haben unter anderem eine eigene App für Festivals und Veranstaltungen entwickelt, die man mieten kann. Wir wissen inzwischen ziemlich genau, was bei Apps funktioniert und was nicht.

Das bezieht sich auch auf die Projektdauer. Erfolgreiche Projekte werden heutzutage “agil” entwickelt. Es gibt anfangs kein bestimmtes Lieferdatum. Man entwickelt Prototypen und dann schrittweise ein besseres Produkt. Wenn ich eine Zeitangabe machen soll, dann würde ich sagen, wir können innerhalb von drei Monaten eine erste Version liefern. Diese nennt man MVP (Minimal Viable Product, ein Produkt mit den minimalen Anforderungen und Eigenschaften).

Sie sind ebenfalls bekannt für Ihr Know-How in Sachen Blockchain. Sie erhielten neulich den Auftrag von der Ethereum Foundation (der zweitgrößten Kryptowährung nach Bitcoin), ein Development Kit für sie zu entwickeln, anhand dessen sich in Zukunft Mobile Apps auf Basis der Blockchain-Technologie einfacher entwickeln lassen. Wie kann man sich vorstellen, dass eine App mit Blockchain funktioniert und in wiefern wird dies unsere Nutzung von Apps sowie die Mobilwelt im Allgemeinen verändern oder sogar revolutionieren?

Die Blockchain ist vor allem eine Datenbank, hat aber einige besondere Eigenschaften, darunter Dezentralisierung. Durch die Dezentralisierung gibt es keine zentrale Autorität mehr, die die Datenbank kontrollieren kann. Niemand kann Einträge aus der Vergangenheit ändern oder löschen. Manche Blockchains, dazu gehört Ethereum, beinhalten einfache Funktionen, so genannte Smart Contracts. Das macht diese Blockchain dann defacto zu einem Supercomputer.
Dezentrale Lösungen bieten viele neue Anwendungsmöglichkeiten. Wir haben selbst bei einem Hackathon eine entwickelt für die simple Aufteilung von Energiekosten zwischen Konsumenten, Prosumenten (ein Produzent und Konsument) und Energielieferant. Durch die Blockchain werden Vermittler, Notare, Register, Prüfer, etc. mittelfristig entbehrlich.
Unser DevKit ermöglicht es Entwicklern, Ethereum Smart Contracts zukünftig in ihren Apps mittels Swift aufzurufen und zu verwenden.
Fun Fact: Die Motivation Ethereum zu erschaffen bekam Gründer Vitalik übrigens als der World of Warcraft-Hersteller Blizzard eine Komponente aus Vitaliks Lieblingszauberspruch entfernte…

Sie realisieren auch Projekte für Start-ups. Worauf müssen Sie sich einstellen, wenn Sie mit einem Start-up zusammenarbeiten, im Vergleich zur Zusammenarbeit mit größeren Konzernen?

Wir sagen immer lieber, wir arbeiten mit Start-ups statt für Start-ups. Agiles Projektmanagement macht den Unterschied. Damit bringen wir unser Knowhow zum Unternehmen. Es geht nicht mehr nur darum, einen Auftrag zu erfüllen. Das verstehen inzwischen auch die Großkonzerne. Der Ablauf “Briefing – Ausschreibung – Lieferung” funktioniert nicht bei Innovationen. Deshalb unterhalten viele Konzerne inzwischen Innovationszentren, in denen sie nicht an die Konzernregeln gebunden sind. Damit können Dienstleister besser in die Entwicklung einbezogen werden. Genau aus diesem Grund entscheiden sich dann solche Konzern-Innovationszentren mit uns zu arbeiten. Wir sind erfahren genug, damit sie uns ernst nehmen und jung und frisch genug, dass wir sie mit unseren Ideen begeistern und überzeugen können.

In einem Whitepaper beschäftigen Sie sich mit dem Thema: „Eine neue App – Was sollten Unternehmen bei der Entwicklung beachten?” Welche Fauxpas können bei der App-Entwicklung passieren, die absolut vermieden werden sollten?

Bei mobilen Apps vereinigen sich die Disziplinen Design, Usability und Technologie. Ich will jetzt nicht sagen, dass eine App ein Kunstwerk ist. Aber Sie würden ein Gemälde auch nicht so ausschreiben: “5 Jahre Erfahrung in dem Bereich, 30 x 70 cm, Ölgemälde, zeigt Landschaft ggf. mit Gewässer, bitte unterbreiten Sie zwei Preisoptionen, niedrigstes Angebot bekommt Zuschlag”. Wir bekommen aber tatsächlich viele derartige Anfragen. Das machen wir nicht. Wenn es keine technischen Spezifikationen, kein UX Design, keine Marktforschung und kein UI Design gibt, dann macht das keine ernstzunehmende Agentur zum Festpreis. Wir gehen so vor: Wir bieten unseren Kunden an, als Berater all diese Schritte für sie durchzuführen. Wie schon erwähnt, schlägt unser Herz dafür, gemeinsam mit dem Kunden Produkte zu definieren und zu entwickeln. Diese müssen dann aber auch von Beginn an bezahlt werden – was sich am Ende für den Kunden absolut rechnet.

Durch ResponseSource haben Sie bereits mit einem Journalisten Kontakt aufbauen können, der zum Thema Skill Management recherchiert. Welche Möglichkeiten sehen Sie in ResponseSource?

Wir sind sehr schnell sehr erfolgreich geworden. Auf dem Weg dahin haben wir natürlich auch ein paar Fehler gemacht, die uns fast zum Verhängnis geworden wären. Der Austausch in unserer Experten-Community war für uns immer hilfreich. Deshalb freuen wir uns, wenn wir unsere Erfahrungen und unser Wissen mit anderen teilen können. ResponseSource ist dafür ein sehr gutes Medium.

 

 

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