Mit Hoodie und Jutebeutel INTO THE WILD – Zu Besuch auf der re:publica 14

Die re:publica 14 fand in diesem Jahr vom 6. bis 8. Mai zum 8. Mal statt und bot Bloggern, Journalisten und Medienschaffenden eine Vielzahl an Präsentationen, Diskussionen und Aktionen. Aus der einstmals kleinen Veranstaltung für Wenige ist mittlerweile ein internationales Großevent für Tausende geworden. Das diesjährige Motto INTO THE WILD spiegelt den Ansatz wider, in Zeiten des kontrollierten Internets für viele verschiedene Ideen offen zu sein. Um eine Veränderung zu erreichen, muss man auch mal etwas wagen, wilde Ideen umsetzen und das Durcheinander willkommen heißen. Dass man sich dabei, wie in der Wildnis, auch mal verlieren kann, ist erwünscht. Das Hauptthema der Veranstaltung war der Datenschutz im Internet. Dies wurde bereits in der Eröffnungsrede der re:publica-Macher Andreas Gebhard, Johnny Haeusler, Markus Beckedahl und Tanja Haeusler deutlich. Der Appell: „Lasst uns das Internet gemeinsam zurück erkämpfen!“

Nachdem ich bewundernd den Talk mit Sarah Harrison, der britischen Journalistin, Mitarbeiterin von WikiLeaks und Vertrauten vom Whistleblower Edward Snowden verfolgt habe, höre ich mir die Diskussion der amerikanischen Internetaktivisten Jakob Appelbaum und Jillian York an. Die Verschlüsselung von persönlichen Daten mit dem Programm PGP (Pretty Good Privacy) soll ihrer Meinung nach für den Mainstream möglich werden. Und gerade als ich denke, dass sämtliche Zuschauer in dem Saal durch diese vor Energie sprühenden Sprecher hochmotiviert sein müssten, noch mehr Engagement für ein freies Internet zu zeigen, bekommen wir vom Medienguru schlechtin, Sascha Lobo, eine Standpauke verpasst. Es geht um die Zukunft des Internets. Es geht um die Privatsphäre. Und um den Datenschutz! Es geht um die Bekassine vs. Internet. Bekassine? Ja, denn die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Vogelart ist unseren Eltern mehr wert als uns das Internet. Beispielweise erhält der LBV Landesbund für Vogelschutz mehr Spendengelder als die Organisationen Netzpolitik e.V. oder Digitale Gesellschaft e.V. Beide Vereine setzen sich für digitale Bürgerrechte ein. Lobo schließt daraus, dass zwar viele zum Beispiel den Spendenaufruf der Netzpolitik twittern, aber nur wenige tatsächlich spenden.

Die re:publica bot mit ihren über 350 Sessions aber auch Lösungsvorschläge gegen die Überwachung im Internet an, wie beispielsweise die Verschlüsselung durch PGP für alle oder den Ansatz, Technologie so zu konstruieren, dass Überwachung gar nicht erst möglich wird. Inwieweit diese umgesetzt wurden, erfahren wir vielleicht im nächsten Jahr auf der re:publica 15?

In diesem Jahr fand außerdem zum ersten Mal die Media Convention zusammen mit der re:publica statt. Quasi nebenan hatte man am 6. und 7. Mai die Möglichkeit, sich Sessions im Bereich Medien- und Netzpolitik, Medienmarkt, Medien & Gesellschaft anzuhören und an Workshops teilzunehmen. Das medienboard Berlin-Brandenburg startete die Convention 2001 als kleines Branchentreffen. Mittlerweile hat es sich ebenfalls wie die re:publica als ein großen Event für Medienschaffende etabliert.

Während der drei Veranstaltungstage in der STATION BERLIN in Kreuzberg konnte man als Besucher aber nicht nur Graphiken, Videos und Tabellen ansehen. Es huschten ab und zu auch ein paar bekannte Gesichter wie das des BILD-Chefs Kai Diekmann oder des Bloggers Richard Gutjahr durch die Menge. Darunter auch David Hasselhoff, welcher sich für Digital Freedom stark machte. Jan Josef Liefers beteiligte sich als „Zuschauer“ an der Satire-Aktion Google Nest. Die Cast und Crew des erfolgreichen Films Fack ju Göhte gaben im Rahmen des Media Convention Programms „Film & TV Made in Germany“ Einblicke in die Produktionsabläufe des Filmemachens und Klaas Heufer-Umlauf erklärte, wie verrückt der Alltag bei seiner Show Circus HalliGalli tatsächlich ist (Antwort: ziemlich verrückt).

Künstler Il-Jin Atem Choi gestaltete auf der re:publica die Wände der Organisation MIZ_innovationspace, welche Orte schafft, wo kritische und konstruktive Kultur erlebt werden kann.

Die Atmosphäre auf der re:publica als auch auf der Media Convention versprach neue Motivation, kühne Ideen und ungewohnte Blickwinkel. Das Versprechen wurde auf jeden Fall eingehalten. Am Ende zählt, was die 6000 Teilnehmer und Teinehmerinnen für sich selbst mitnehmen und umsetzen. Frei nach dem Motto: Nicht meckern. Besser machen!

Für alle, die nicht dabei sein konnten oder noch einmal den einen oder anderen Talk ansehen möchten, hat re:publica bereits über 50 Sessions auf Youtube und als Podcast auf Voice Republic bereit gestellt.

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