Recherche 2014 – Strategien und Tools für gute Geschichten

Gute Geschichten basieren auf soliden Informationen und stellen neue Zusammenhänge her, bieten damit den Lesern ungewohnte Blickwinkel. Doch wie gelangen Journalisten an ihre Infos und welche Quellen setzen sie ganz konkret zur Recherche ein? Dies ist eine der Fragen, der news aktuell mit der neuen Journalistenbefragung „Recherche 2014“ nachgeht. Über 2200 Journalisten haben geantwortet und geben uns Rückschlüsse, wie ihre alltägliche Recherche aussieht. Kurz zusammengefasst:  Onlinerecherche und der persönliche Zugang zu Themenexperten sind die wichtigsten Tools für Medienschaffende. 

 

news aktuell Studie

 

Google & Co. als erste Adresse für Informationssuchende

Dass Suchmaschinen mit 95% an erster Stelle stehen, verwundert wenig. Sie bieten nicht nur den einfachsten Einstieg in ein neues Thema, sondern helfen, bereits bekannte Gebiete zur Vertiefung weiter auszuleuchten oder um verwandte Themenaspekte zu erweitern.

Schwierig wird es allerdings schnell, wenn es darum geht, Internetquellen richtig einzuschätzen. Im Web ist eine unerschöpfliche Vielfalt an Informationen nur einen Mausklick entfernt, ob diese wahr oder frech gefälscht sind, ist oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Ein Riesentintenfisch aus Fukushima, angebliche Bauprobleme in Sotchi oder Pofallas Wechsel zur Bahn als Exklusivmeldung einer Satirewebseite sind nur einige Beispiele für prominente Fehlinformationen, die sich im Web verselbständigen.

Der persönliche Kontakt zählt

Suchmaschinen sind die „erste Stufe“ einer Recherche, sie bieten aber keine verlässliche Einschätzung der Information. Dazu kommt: Alle Informationen, die man online finden kann, wurden bereits von jemand anderem bereitgestellt– Exklusivität ist somit von vornherein ausgeschlossen. Diese liefert eine Recherche der „Stufe Zwei“: Der persönliche Kontakt mit einem Experten erschließt neue Informationen und zusätzliche Aspekte, die so eben noch nicht in Google zu finden sind. Idealerweise spricht man mit mehreren Seiten, um ein Thema wirklich rundum beleuchten zu können.

Most Wanted: Experten für meine Story

Mit 84% sind E-Mails die zweitgenannte Quelle recherchierender Journalisten. Klingt plausibel, vor allem wenn man schon weiß, wen man anschreiben kann. Bei dem immer breiter werdenden Themenspektrum, das die meisten Journalisten inzwischen abdecken, ist es aber auch immer seltener der Fall, dass eine persönliche Beziehung zu den relevanten Experten in Wirtschaft und Wissenschaft bereits besteht. Das erklärt die logischen nächsten Anlaufstellen: Unternehmenswebsites (73%) und Presseportale (64%). Hier findet der recherchierende Journalist über die bereitgestellten Pressemitteilungen, Studien und Hintergrundinfos auch Ansprechpartner, die weitere Auskunft geben können. Wer über die bekannten Unternehmensnamen hinaus sein Netzwerk erweitern möchte, schaut sich in sozialen Netzwerken um, bevorzugter Weise in Facebook, Twitter und Google+.

Recherche braucht Strategien und Tools

Auf den ersten Blick bestätigen die Ergebnisse die Vermutung, dass sich die Herangehensweise an Themen grundsätzlich recht wenig verändert. Die Informationssuche konkretisiert sich im Laufe einer Recherche, geht von der Breite in die Tiefe und in jedem Schritt geht es darum, die gefundenen Perlen kritisch auf ihren Echtheitsgrad zu überprüfen.

In der Realität spielen aber noch weitere Komponenten eine große Rolle, die im Quellen-Ranking zu wenig Niederschlag finden: Für Recherche bleibt den Journalisten immer weniger Zeit, die Rücksprache mit mehreren Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft ist oft aufgrund von Zeit- und Budgetmangel ein Wunschtraum. Letztendlich braucht es gerade für die Onlinerecherche gute Strategien und Kenntnis der verfügbaren Werkzeuge, um im Informationsdschungel die Orientierung zu behalten.

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