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ResponseSource wurde vor 20 Jahren gegründet: Daryl Willcox blickt zurück

 

Es war im Jahr 1998, in einem kleinen Nebenzimmer in meiner gemieteten Wohnung im Süden von London, als mir klar wurde, dass wir etwas Besonderes geschaffen hatten.

 

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10 Comyn Road – Der Gründungsort von ResponseSource

Die ersten Anfragen von Journalisten kamen zu uns durch, über den Service den wir heute als ResponseSource Antworten für Journalisten kennen – damals einfach nur ResponseSource genannt – und ich begann, eine Ahnung vom Potenzial dessen zu bekommen, was wir aufgebaut hatten.

 

Nur wenige Tage zuvor hatte sich eine Diskussion im Team – damals waren wir nur zu viert, das Unternehmen war erst seit einem Jahr gegründet – um den Kern dieser Idee gedreht. Einer meiner Kollegen wies auf einen Dienst in den USA hin, der es Journalisten ermöglichen sollte, Informationen von der akademischen Gemeinschaft anzufragen. Meine eigene Erfahrung als Journalist – ich arbeitete in den ersten Jahren des Unternehmens weiterhin als freier Journalist – lehrte mich, dass Journalisten zunehmend auf E-Mails angewiesen waren und dass viele, auch ich selbst, persönliche Listen von Kontakten führten, an die wir Benachrichtigungen schickten, um sie zu informieren, an welchen Artikeln wir gerade arbeiteten und Informationen anzufragen.

 

Die Schwäche dieser Methode war, dass wir als Einzelpersonen über keine umfassenden und aktuellen Listen verfügten. Außerdem war es nicht einfach, sie nach relevanten Themen zu kategorisieren.

 

So entstand die Idee eines Werkzeuges, das es Journalisten ermöglichen würde, Anfragen an Kommunikationsverantwortliche – nach Themengebieten – zu verschicken.

 

Damit wurde der Spieß der Medienarbeit sozusagen umgedreht, da Journalisten die Kontrolle übernehmen und der PR-Welt sagen können, was sie wollen, anstatt ein weitgehend passiver Empfänger von PR-Mitteilungen zu sein.

 

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Daryl Willcox in seinem Büro im Jahr 1998

Wir machten uns sofort an die Arbeit und innerhalb von 48 Stunden war die erste Version der Software einsatzbereit. Dank unserer bereits eingeführten Mediendatenbank FeaturesExec (jetzt bekannt als ResponseSource Media Contacts Database – nur erhältlich für England), der viele große PR-Agenturen bereits beigetreten waren, verfügten wir bereits über ein vernünftiges Netzwerk an Journalisten und Kommunikationsexperten.

 

Ich begann Journalisten zu schreiben, um sie zu ermutigen, den Service zu nutzen. Einige von ihnen antworteten sofort, um zu sagen, dass sie nicht davon träumen würden, so etwas zu nutzen – damals hielten viele Journalisten E-Mails noch für eine „private“ Kommunikationsmethode, die noch nicht zur Standardmethode für die Kommunikation zwischen Kommunikationsverantwortlichen und Journalisten geworden war.

 

Aber viele andere probierten es aus. Ich kann mich noch gut an meine Begeisterung erinnern, als diese ersten Anfragen kamen. Und sie kamen immer wieder. Tag für Tag wuchs die Anzahl der Anfragen, und die Anfragen von Kommunikatoren, die als Empfänger hinzugefügt werden wollten, mehrten sich ebenfalls.

 

Der ResponseSource Recherche-Service für Journalisten war geboren.

 

Einer der möglichen Erfolgsfaktoren für die schnelle Einführung des Dienstes war, dass wir uns anfangs speziell auf den Technologie- und Finanzsektor konzentrierten. IT-Journalisten und -Kommunikatoren neigten wahrscheinlich eher dazu, Neues auszuprobieren, angesichts der Tatsache, dass sich das Internet zu dem Zeitpunkt noch nicht als kommerzielles Medium in allen Wirtschaftszweigen etabliert hatte.

 

Unser Erfolg im Technologiebereich gab uns den Anstoß (und den Umsatz), in alle anderen Bereiche zu expandieren, was wir 2002 taten. Es war einfach fantastisch zu sehen, wie Journalisten aus allen Bereichen den Service ausprobierten und wie schnell er sich durchsetzte.

 

In den ersten Tagen hatten wir das Gefühl, dass viele Journalisten nicht gerne mit ihren Kollegen über die Nutzung des ResponseSource-Dienstes sprechen wollten. Ich spürte, dass sie das Geheimnis für sich behalten wollten, oder vielleicht dachten sie, die Verwendung sei wie „Betrug“, oder würde ihren Status als Journalist mindern. Aber im Laufe der Zeit wich dies den Journalisten und Kommunikationsverantwortlichen, die es aktiv an andere weiterempfahlen, was meiner Meinung nach unser Wachstum zusätzlich förderte.

 

Der Service funktioniert für Journalisten so gut, dass bei einer Veranstaltung, an der ich teilnahm, ein freiberuflicher Journalist mir sagte, dass er, wenn es den ResponseSource-Service nicht gäbe, „einen richtigen Mitarbeiterjob suchen müsste“. ResponseSource ermöglicht es ihm, effizient genug zu arbeiten, um einen angemessenen Lebensunterhalt als freien Journalisten verdienen zu können.

 

Natürlich kann ein solches System aus kommerzieller Sicht nur funktionieren, wenn Journalisten kostenlos Anfragen stellen und Kommunikationsprofis für den Empfang bezahlen (der deutschsprachige Service ist allerdings momentan noch im Aufbau und deshalb komplett kostenlos und unverbindlich). Aber eine PR-Agentur, mit der ich in den ersten Tagen sprach, hatte das Konzept offensichtlich nicht verstanden und weigerte sich, sich nach einem Test zu registrieren. Ich erinnere mich, dass sie sagten: „Es sind die Journalisten, die davon profitieren, sie sind es, die bezahlen sollten.“ Tausende von Journalistenanfragen und glückliche PR-Kunden später, bin ich aber davon überzeugt, dass unser Bezahlmodell richtig ist.

 

In den meisten Fällen sahen die Kommunikatoren sofort den Wert des Dienstes, insbesondere die Möglichkeit, die er ihnen gibt, auf reale und spezifische Medienberichterstattung reagieren zu können und die zeitaufwendige Arbeit der Recherche nach Zielmedien und Journalisten zu ergänzen. Eine PR-Agentur wies sogar auf die breitere soziale Wirkung des Dienstes hin und beschrieb ihn als „Demokratisierung der Medienarbeit“. Sie verwiesen darauf, dass der Service es kleinen Agenturen und Organisationen ermöglichte, Zugang zu den gleichen Anfragen und den gleichen Medien zu erhalten, die bisher nur großen Marken und größeren Unternehmen mit weitaus höheren PR-Budgets zur Verfügung standen.

 

Im Jahr 2017 haben wir mit fast 32.000 Anfragen die meisten Anfragen aller Zeiten bearbeitet, was 100 Millionen individuellen E-Mails entspricht, die das System jedes Jahr versendet. Die Teilnehmerzahlen wachsen weiter, da sowohl große Marken, PR-Agenturen von KMU als auch Einzelunternehmer als Empfänger der Anfragen unterstützt werden.

 

Im deutschsprachigen Bereich sind wir noch ein kleiner Player aber auch hier wachsen wir täglich weiter. Auch nach 20 Jahren entwickelt sich ResponseSource weiter und hilft mehr Journalisten und Kommunikatoren dabei, konstruktiv zusammenzuarbeiten und ihre Arbeit zu erledigen. Darauf bin ich sehr stolz.

 

Über den Autor
daryl willcoxDaryl Willcox ist ehemaliger britischer Journalist, Unternehmer und Gründer von ResponseSource. ResponseSource betreibt in Großbritannien ebenfalls einen Pressedienst, ein Medienverzeichnis und den Recherchedienst ResponseSource – alle drei waren bei ihrer Gründung die ersten Dienste ihrer Art in Europa. Mittlerweile bietet ResponseSource seinen Recherchedienst auch in Deutschland, Frankreich und weiteren europäischen Ländern an. Willcox studierte Journalismus am London College of Printing (inzwischen London College of Communication und Teil der University of Arts in London). Neben seiner Tätigkeit als Journalist und freier Autor unterrichtete er dort und am Goldsmith’s College in London Journalismus.

 

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